Bligger ward es in Voraussicht des nun Kommenden gewitterschwül, und er verwünschte im stillen seine unbedachte Frage.
»Das jus misogamorum,« ließ sich der Abt vernehmen, »ist eine so heilsame institutio, daß es verdiente, in das corpus juris canonici aufgenommen zu werden, denn Kirchen und Klöster verdanken ihm manches wackere Junggesellenerbe.«
»Aha! Bligger, hörst du's?« bemerkte Engelhard. »Was sagte mein Bruder Otto?«
Bligger blinzelte ihm lebhaft zu, daß er doch nur schweigen sollte.
»Jus misogamorum?« sprach Hans. »Ihr macht mich immer neugieriger.«
»Ich habe dir's ja schon erklärt, Liebster! daran laß dir genügen,« schnitt Juliane die weiteren Erörterungen darüber ab. Und sich wieder Bligger zukehrend sprach sie lächelnd: »Ich will Euch aber Eure Frage beantworten, lieber Schwager! Hans hat mich, wie er behauptet, nur darum geheiratet, um Ernst vor einer mit ihm zusammenhausenden Schwiegermutter zu bewahren.«
»Hans!« rief Engelhard, »das ist eine edle Tat, die Ernst dir nie vergessen darf.«
»Also darum!« lachte Bligger, durch Julianens geschicktes Ablenken von dem gefährlichen Gegenstande sehr angenehm berührt, »ja, die Furcht vor Schwiegermüttern lag von Jugend auf wie ein Alp auf seiner Junggesellenseele.«
»Jetzt sollt ihr aber auch erfahren, warum ich ihn geheiratet habe,« fuhr Juliane fort. »Ein Jude hat mir das Horoskop gestellt und mir aus den Sternen geweissagt: ich müßte meiner Tochter zuvörderst einen Stiefvater und dann erst einen Gatten geben; sonst geschähe ein Unglück. Was sollte ich nun machen? ich mußte Hals über Kopf heiraten, nur damit auch meine Tochter heiraten kann. Und weil gerade kein besserer da war, nahm ich diesen hier,« schloß sie, Hansens Arm zärtlich an sich drückend, unter allgemeiner Heiterkeit.
»Weil kein besserer da war! – vielen Dank, Juliane!« lachte Hans und schmunzelte vergnügt dabei.