Ernst wurde verlegen und wußte nichts zu antworten, was den Eltern nicht entging. Bald nahm er eine Gelegenheit wahr, sich aus dem Gemach zu entfernen.
»Was sagst du nun, Käthe?« frohlockte der Ritter, als die beiden allein waren. »Der Junge scheint bis über die Ohren verliebt in Richilde; das ist eine Brücke für Hans. Und Juliane will den Wald wieder haben; da schlagen wir unsern Haken ein, besser kann's gar nicht anfangen. Wasser auf unsere Mühle, Käthe!«
»Das Hans bald genug abdämmen wird,« erwiderte die Burgfrau.
Jetzt traten ihre zwei jungen Töchter in das Gemach und verhinderten durch ihre Anwesenheit die Fortsetzung des Gesprächs. –
Der Empfang, den die drei Fräulein nach ihrer Rückkehr auf die Minneburg bei Frau Juliane fanden, war kein freundlicher, als Richilde ihrer Mutter von dem Zusammentreffen mit dem Junker Ernst Landschad erzählte und ihr auch nicht verschwieg, daß sie ihm zur Buße für den von ihm behaupteten Jagdfrevel eine edelsteinbesetzte Gürtelschnalle gegeben habe.
Juliane machte ihrer Tochter Vorwürfe, daß sie sich in eine Unterhaltung mit Ernst eingelassen hatte, und war über die Forderung und die Überantwortung eines Pfandes, was die Mädchen als einen beiderseits harmlosen Scherz darzustellen suchten, sehr ungehalten.
»Auf die paar edlen Steine kommt es nicht an, aber unedel war das Verfahren des Junkers, euch für einen armseligen Reiher zu strafen,« sprach sie entrüstet. »Freilich,« fügte sie bitter hinzu, »was läßt sich von einem Landschaden Besseres erwarten!«
»Mutter, er war höflich und ritterlich,« wagte die Tochter schüchtern einzuwenden.
»Ritterlich! die Ritterlichkeit kenne ich, wenn er sie von seinem Vater gelernt hat!« höhnte Juliane. »Laß mich nie wieder erfahren, daß du ein Wort mit einem Landschaden gesprochen hast!«
Das Mittagsmahl auf der Minneburg verlief heute, gegen die sonst herrschende Gewohnheit, in ziemlich gedrückter Stimmung; besonders Richilde ließ das Köpfchen hängen wie eine Blume nach einer frostigen Maiennacht.