Viertes Kapitel.

Als in der Morgenfrühe des nächsten Tages Frau Katharina merkte, daß auch der neben ihr ruhende Gatte aus dem Schlummer erwacht war, sagte sie zu ihm: »Bligger, wie soll das heute mit Ernst werden, wenn deine Freunde zur Beratung kommen? Ich billige die Vorsicht, ihn in deine Pläne nicht einzuweihen, aber du kannst ihn aus eurem Kreise nicht ausschließen, ohne ihn aufs neue zu kränken, wie du es gestern schon damit getan hast, daß du ihn über den Zweck der Einladung, die er zu überbringen hatte, nicht aufklärtest.«

»Hab' ich alles schon bedacht,« erwiderte Bligger, »Ernst wird den ganzen Tag von Hause abwesend sein. Isaak Zachäus, unser Sterngucker, begibt sich heute nach der Minneburg, um Juliane das Horoskop zu stellen; sein Sohn aber bleibt hier, bis der Alte wiederkommt und uns über den Ausfall des Horoskops« – hier lächelte der Ritter verschmitzt, was aber seine Frau nicht bemerkte, weil sie das Gesicht des Sprechenden nicht sah – »und über den Eindruck desselben auf Juliane Bescheid sagt, die natürlich nicht ahnen darf, daß Zachäus von uns kommt oder auch nur bei uns gewesen ist. Ernst wird den Juden samt seinem Sohne begleiten, ihm bis Neunkirchen den Weg zeigen, dort aber mit dem Jüngling umkehren und erst am Abend hier wieder mit ihm eintreffen. Der Jude, heißt es für Ernst, hat ein Geschäft in Mosbach. Bist du nun zufrieden, Käthe?«

»Alles ganz gut,« entgegnete die Frau, »aber wird der Jude schweigen? gegen Ernst sowohl wie gegen Juliane?«

»Dafür ist gesorgt! ich habe ihn gestern abend noch einmal ins Gebet genommen, und er weiß nun alles, was er zu wissen nötig hat. Macht er seine Sache gut, so lohn' ich's ihm reichlich; verrät er mich, und ich komme dahinter, so wird es ihm übel ergehen. Darum behalte ich zu meiner Sicherheit seinen Knaben als Geißel, und ich habe aus der Bedeutung dieser Maßregel dem Alten gegenüber durchaus kein Hehl gemacht.«

»Nun, Gott gebe seinen Segen, daß das alles zu einem guten Ende führt!« sagte die Burgfrau.

»Amen!« lachte Bligger, »wollen's hoffen, Käthe!«

Als der Ritter bald nach diesem Bettgespräch seinem Sohne den Auftrag erteilte, dem Juden Isaak Zachäus als Wegweiser nach Neunkirchen zu dienen, erhielt er von Ernst die Antwort: »Du willst mich hier los sein, Vater! womit habe ich solches Mißtrauen verdient?«