»Es ist kein Mißtrauen, mein Sohn, weshalb ich dich von unserer Beratung fern halte,« erwiderte Bligger, »aber es handelt sich dabei um Dinge, an denen deiner Jugend noch kein Anteil zukommt. Jetzt frage nicht weiter, sondern macht, daß ihr fortkommt! und ohne Groll, Ernst! ohne Groll! es ging diesmal nicht anders.« Damit bot er dem Sohne die Hand, die dieser, getröstet durch des Vaters freundliche Worte, herzlich drückte. »Am Abend erwarte ich dich mit Joseph zurück,« sprach Herr Bligger weiter; »du bringst den Jungen unter allen Umständen wieder mit!«

»Verlaß dich darauf, Vater!«

»Ich gedenke die Juden noch längere Zeit hier zu behalten, was du übrigens keinem von beiden zu sagen brauchst,« ergänzte Bligger die Unterweisung seines Sohnes.

Darauf schieden sie im besten Einvernehmen, und Ernst machte sich bald darauf heiter und wohlgemut mit Isaak und Joseph zu Fuß auf denselben Weg, den er gestern zu Pferde zurückgelegt hatte. –

Im Laufe des Vormittags trafen die befreundeten Ritter von ihren Burgen, einer nach dem anderen, auf der Mittelburg ein, wo sich inzwischen auch Bliggers Bruder Konrad eingefunden hatte. Den älteren der beiden Brüder Hirschhorn, Otto, auf der Burg gleichen Namens, und den Schenk von Erbach auf Eberbach hatte Konrad bei seinem gestrigen Besuche schon über den Gegenstand der Beratung unterrichtet, dabei jedoch von der Absicht einer Verbindung Hansens mit Juliane nichts erwähnt. Engelhard von Hirschhorn, der von Burg Zwingenberg her den weitesten Weg hatte und daher als letzter kam, wußte dagegen noch nichts und wurde nun erst von Bligger in die Sachlage eingeweiht. Gegen die ihm zuteil werdende Aufklärung über ein ihm bisher unbekanntes Gesetz, genannt »das Recht der Hagestolze«, verhielt er sich zunächst ungläubig und ablehnend. Als ihm der Freund aber jeden Zweifel dadurch benahm, daß er ihm seine Unterredung mit dem Magister und Doctor juris in Heidelberg mitteilte und nun die Nutzanwendung auf seinen Bruder Hans hinzufügte, war Engelhards erste, allerdings sehr naheliegende Erwiderung, daß er lachend ausrief: »Nun, so muß Hans heiraten! Das ist doch einfach genug!«

»So klug sind wir auch,« versetzte Bligger; »nur daß die Sache doch nicht so einfach ist, wie sie dir im Augenblick scheint. Hans will nicht heiraten.«

»Hat er das jetzt noch erklärt, nachdem er von dem Recht der Hagestolze Kenntnis erhalten hat?« frug Engelhard.

»Nein, davon weiß er überhaupt noch nichts,« erwiderte Bligger, »denn er sitzt wieder bei seinen lieben Mönchen in Sinsheim, und erst nach seinem Fortreiten habe ich selber von jenem Rechte gehört.«

»Aber wenn er wiederkommt und ihr ihm den Handel vorstellt, wird er doch ein billiges Einsehen haben, daß er muß, es sei ihm lieb oder leid,« sprach Engelhard.