»Schwerlich wird er das haben, ich möchte wohl sagen: ganz gewiß nicht!« erwiderte Bligger. »Er hat eine unglaubliche Scheu vor der Ehe, und – es ist fast lächerlich zu sagen – eine noch größere vor einer Schwiegermutter als Mitgift dabei.«

»Ach, und wie recht hat er da!« seufzte Engelhard, daß alle lachen mußten.

»Ja, nichts für ungut, Engelhard!« sagte Bligger, »aber so oft er einmal bei dir gewesen ist, tritt sein Widerwille dagegen noch stärker hervor. Er behauptet dann wohl, so eine Schwiegermutter stünde vor dem ehelichen Paradiese wie –«

»Nicht wie ein Engel!« unterbrach ihn der Freund, »sage nur: wie eine Vogelscheuche oder wie ein Drache, der den Zugang zum Schatze bewacht.«

»Nun ja, so lautet's ungefähr,« bekannte Bligger unter einem erneuten Gelächter auf Engelhards Kosten. »Aber laßt das jetzt beiseite,« fuhr er dann fort. »Wenn wir Hans dazu bewegen können, zu heiraten, so ist alles in Rück und Schick, und wir brauchen uns die Köpfe nicht weiter zu zerbrechen. Wir müssen aber darauf gefaßt sein, daß er nicht heiratet, und unter dieser Voraussetzung müssen wir jetzt beraten und beschließen, was wir tun wollen, das Hagestolzenrecht zu brechen oder zu biegen und seine für uns alle verderblichen Folgen von uns abzuwenden.«

»Für uns alle?« frug Otto von Hirschhorn.

»Freilich für uns alle!« wiederholte Bligger. »Denn was geschieht, wenn der Pfalzgraf unsern Bruder beerbt? Dann schneidet er sich ein Drittel aus unserm Gesamtbesitz heraus, das sich möglichenfalls wie ein Keil in das uns übrigbleibende Gebiet hineinschiebt. Das wäre ein Nachteil, der allerdings zunächst nur uns Landschaden träfe, deren Familiengut dadurch eine erhebliche Einbuße erlitte. Aber weiter. Er gibt das erschlichene Gebiet einem Vasallen zu Lehen oder setzt einen Obervogt auf Burg Schadeck, und der eine wie der andere könnte uns allen hier sehr unbequem werden, denn er könnte uns in unserem ritterlichen Gewerbe stören, daß wir uns jahraus, jahrein mit ihm in den Haaren liegen müßten, und mit dem freien, frohen Stegreifleben in unserem schönen Neckartale wäre es dann bald vorbei.«

»Das wolle Gott nicht!« sprach Schenk von Erbach, und die anderen stimmten ihm zu.

Bligger aber fuhr fort: »Wenn wir es auch nicht mehr erleben, denn unser Hans ist kerngesund und rüstig, und wir wünschen ihm sein seliges Ende so weit wie möglich hinausgerückt, – so müssen wir doch an unsere Nachkommen denken, daß wir ihnen nicht durch unsere Fahrlässigkeit künftig einmal Ungelegenheiten bereiten und ihnen unwillkommene Nachbarn sich hier einnisten lassen. Unsere Söhne und Enkel sollen einmal in unseren Burgen hausen, aber nicht fremde Eindringlinge, fürstliche Vögte und Lehnsleute, die ihnen das Leben verbittern. Darum, liebe Gesellen, müssen wir, die wir allweg Messer und Braten miteinander teilen, auch hierin fest zusammenhalten und uns tapfer wehren und auflehnen gegen dieses gottverdammte Hagestolzenrecht.«

»Tod und Teufel, du hast recht, Bligger!« rief Engelhard von Hirschhorn und schlug mit der Faust auf den Tisch. »Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen, dagegen müssen wir uns aufsetzen wie ein angeschossener Keiler bei der Sauhatz!«