»Jawohl!« sprach sein Bruder Otto ruhig, »aber sagt mir nur, wie wir das anfangen.«

»Darüber eure Meinung und Rat zu hören, lud ich euch zu mir ein,« sagte Bligger.

Hierauf trat ein kurzes Schweigen ein, als wartete jeder auf den Vorschlag des anderen; aber keiner hatte gleich einen bei der Hand.

»Auf dreierlei Weise könnten wir versuchen, dem Dinge beizukommen,« nahm endlich Otto von Hirschhorn wieder das Wort, »mit Güte, mit List, mit Gewalt. Daß wir beim Kurfürst-Pfalzgrafen mit guter Vernunft etwas ausrichten könnten, daran ist nicht zu denken. Ruprecht wird sich durch nichts in der Welt bewegen lassen, freiwillig auf sein Erbrecht zu verzichten; und wer will ihn dazu zwingen? das kann nicht einmal der Kaiser.«

»Aber der Reichstag,« sagte Schenk von Erbach.

»Der Reichstag!« lächelte Otto. »Du meinst, wir sollten uns mit dem Gesuch um Aufhebung des Hagestolzenrechts an den Reichstag wenden. Ja, Schenk, wie alt denkst du denn zu werden, um es zu erleben, daß der Reichstag darüber schlüssig wird? Und wie würde der Beschluß ausfallen? Alle Fürsten würden das Gesetz beibehalten wollen und dabei sämtliche Prälaten auf ihrer Seite haben, denn die liebe Klerisei versteht es ausnehmend, im Trüben zu fischen, und bei der Beerbung eines Hagestolzen fällt immer auch etwas für Klöster und Stifter ab.«

»Vielleicht wissen sie's am kurfürstlichen Hofe gar nicht und brauchen es auch nie zu erfahren, daß Hans nicht verheiratet ist,« sprach Engelhard. »Und wenn er seine blauen Augen später einmal zutut, so bleibt hier alles beim Alten, und in Heidelberg kräht kein Hahn danach.«

»Ja, wenn unser Freund Lauffen nicht da oben auf dem Dilsberg säße und uns Landschaden in die Schornsteine hineinguckte!« entgegnete Bligger. »Aber der weiß alles, erfährt alles und berichtet alles, was hier vorgeht, und ich glaube, er tut es nicht umsonst; für den würde wahrscheinlich auch ein guter Bissen mit abfallen.«

»Wenn ihr dem aber zuvorkämet und Lauffen mit einem noch fetteren Bissen den Mund stopftet?« warf Engelhard ein. »Um so viel zu retten, dürft ihr ein verhältnismäßig geringes Opfer nicht scheuen.«

»Gewiß nicht!« sagte Konrad, »aber damit ist es nichts. Lauffen ist dem Pfalzgrafen sehr ergeben und dient ihm ehrlich, wenn er auch in Kleinigkeiten uns gegenüber oft genug fünf gerade sein läßt.«