»Also mit der Güte wären wir nun fertig,« knüpfte Otto von Hirschhorn an seine früheren Bemerkungen wieder an. »Wie steht es nun mit der Gewalt? Den Lehnsmann oder Vogt, den der Pfalzgraf auf Burg Schadeck setzen würde, mit bewehrter Hand zu vertreiben oder vielmehr ihn gar nicht erst hereinzulassen, wäre ein leichtes; das könntet ihr Landschaden allein besorgen. Aber schwerlich wird sich Ruprecht das bieten lassen, und gegen seine Macht sind wir allesamt auf die Dauer zu schwach; das seht ihr doch wohl ein.«

»Nun, wir fänden doch wohl noch Bundesgenossen,« meinte Schenk von Erbach.

»Wo denn? welche denn? Glaubst du, daß sich die Ritter im Odenwald und an der Bergstraße unsertwegen in eine Fehde mit dem Pfalzgrafen einließen? nimmermehr! Dazu liegt ihnen unser Wohl und Wehe nicht nahe genug am Herzen.«

»Wenn man ihnen bedeutet,« hielt ihm Schenk von Erbach entgegen, »daß das Recht der Hagestolze auch einmal bei ihnen im Odenwald zur Geltung kommen könnte, so lassen sie sich doch vielleicht bereit finden, es bei dieser Gelegenheit Hand in Hand mit uns zu beseitigen, ehe sie selber einmal daran glauben müssen. Und dann ist es doch noch sehr die Frage, ob die Sache dem Pfalzgrafen wichtig genug ist, um sich deshalb in eine blutige Fehde mit der gesamten Ritterschaft des Landes zu verwickeln. Wenn er von allen Seiten drohenden Ernst sieht, gibt er vielleicht nach, und wir haben gewonnen Spiel.«

Otto schüttelte den Kopf. »Sollen wir Heidelberg überziehen und belagern, um dem Fürsten ein Recht abzutrotzen, von dem wir bisher selber nichts gewußt haben? Außerdem würden Mainz, Speier, Worms dem Pfalzgrafen sofort zu Hilfe kommen. Nein, Freunde, mit der Gewalt ist es auch nichts; bliebe also nur noch die List. Nun, Bligger,« wandte er sich an diesen, »du wirst darüber schon mehr nachgedacht haben als wir. Sage uns, auf welcherlei Anschläge bist du dabei verfallen?«

Bligger lächelte still vor sich hin und zögerte mit der Antwort, während ihn die anderen erwartungsvoll anblickten. Dann sprach er langsam: »Ich weiß nur eine List, aber die ist untrüglich, wenn sie gelingt, und ich hoffe, sie wird gelingen.«

»Hans muß heiraten!« rief Engelhard schnell. »Hab' ich's geraten oder nicht?«

Die anderen lachten, nickten und gaben durch verschiedene Ausrufe ihre Zustimmung mit diesem einfachsten und sichersten Auswege kund.