»Das ist allerdings der schwierigste Punkt in der Rechnung,« mußte Bligger zugeben.

»Wenn sich die beiden, wie du sagst, schon früher gern gemocht haben, so ist doch anzunehmen, daß sich ihre Herzen auch jetzt wieder zusammenfinden, und jetzt erst recht,« meinte Schenk von Erbach.

»Das ist lange her und muß ganz eingeschlafen sein; sonst hätte er schon längst wieder eine Anknüpfung mit ihr gesucht,« erwiderte Bligger. »Wir müssen also äußerst behutsam zu Werke gehen und ihm mit aller List die Schlinge zu seinem Glück legen.«

»Höre, Bligger,« fuhr Engelhard heraus, »unserem braven Hans gegenüber wollen mir die Schliche und Winkelzüge nicht gefallen. Ich schlage vor, wir sagen ihm die Wahrheit über das Recht der Hagestolze grad ins Gesicht und erklären ihm kurz und bündig: Du heiratest so schnell wie möglich Juliane Rüdt von Kollenberg, oder dich soll der leibhaftige –«

»Ums Himmels willen nicht!« fiel ihm Bligger in die Rede, »damit wäre alles verdorben. Hans wäre imstande, flugs zu satteln und spornstreichs in die weite Welt hinauszureiten, wenn er das geringste von unserem Vorhaben mit ihm merkte. Nein, er muß von selber darauf kommen, sein Herz muß erst anfangen, sich zu regen und sich für Juliane zu erwärmen; von uns kann er nur heimlich und leise, ohne daß er es ahnt, darauf hingelenkt werden. Vorerst werde ich Mühe haben, ihn zur Führung der Verhandlungen mit ihr zu bewegen; geht er aber darauf ein, so können wir das übrige getrost Frau Julianen überlassen; die wird ihn schon zu fangen wissen, sobald sie selber nur erst angebissen hat.«

»Nun gut,« sprach Engelhard, »so wollen wir tun, was du verlangst. Du mußt es am besten wissen, und Euch Landschaden geht es am nächsten an. Ich werde gelegentlich nach Stolzeneck reiten und Albrecht von Erlickheim in alles einweihen.«

Nach so verlaufener Abrede schüttelten alle sich die Hände zur Bekräftigung ihres Einverständnisses. Beschlossen hatten sie eigentlich wenig, aber in dem Wenigen waren sie vollkommen einig. Sie betrachteten es als eine Grundbedingung ihrer ritterlich ungebundenen Freiheit, daß der Kurfürst-Pfalzgraf hier nicht zu Besitz, zu Macht und Einfluß gelangte. Um dies zu verhindern, verbanden sie sich einmütig, als gälte es einen Kampf auf Leben und Tod, einem der ihrigen, mochte er sich noch so sehr dagegen sträuben, den Ehering an den Finger zu zwängen. Es war kein Zweifel und kein Schwanken mehr; die Unterredung endete mit dem Wunsche und dem Willen aller: Hans Landschad muß Juliane Rüdt von Kollenberg zur Frau nehmen!

»Und jetzt kommt, Freunde!« sagte der Burgherr, »laßt uns sehen, was die Hausfrau gekocht hat. Aber bei Tische kein Wort von der Geschichte! der Mädchen wegen.«

Er führte sie in ein anderes Gemach, wo der Mittagstisch gedeckt stand und sowohl Katharina mit ihren beiden Töchtern, wie auch Agnes, Konrads schlanke Gemahlin, der Herren bereits warteten. Nach gegenseitiger Begrüßung nahm die Gesellschaft Platz und ließ sich das reichliche Mahl unter heiteren Gesprächen und manchem fröhlichen Zutrunk trefflich munden. Nachdem es beendet, zogen sich die Frauen und Mädchen zurück, aber die Männer blieben noch sitzen und begannen ein scharfes Zechen.

Es waren markige Gestalten, diese Ritter des Neckartales, fest im Sattel und ausdauernd beim Becher. Die Landschaden waren hochgewachsen; aus Bliggers trotzigen Zügen mit den herrisch blickenden Augen sprach Willenskraft und Verschlagenheit zugleich, und das ganze Wesen und Gebaren des streitbaren Mannes verriet das Bewußtsein einer gewissen Überlegenheit über seine Genossen, die ihn als ihren Führer in allen gemeinsamen Unternehmungen auch willig anerkannten, während sein Bruder Konrad einen milderen und mehr gutmütigen Eindruck machte. Der ältere von Hirschhorn war von untersetztem, breitschultrigem Bau, ruhig und besonnen in seinem Denken und Tun, aber sein schon ergrauter Kopf saß auf einem unbeugsamen Nacken. Engelhard dagegen, eine Reckengestalt mit heiter beweglichen Zügen, galt für einen übermütigen Ritter, dem das Herz sehr leicht auf die Zunge sprang und das Schwert sehr locker in der Scheide saß. Schenk von Erbach endlich mit dem stark geröteten Gesicht war eine etwas schwerfällige Natur, aber ein guter Kumpan, beharrlich und zuverlässig in Wort und Tat.