»Wollen wir weiter?« frug Ernst.

Joseph war damit einverstanden, und Ernst ging in das Haus, um die Zeche zu berichtigen. Im Schmiederaum traf er Susanne allein, und als er ihr das Geld behändigt hatte, stellte er sie darüber zur Rede, warum sie sich, ganz gegen ihre Gewohnheit, von ihren Gästen ferngehalten hätte.

»Ich wollte nicht stören, Junker Ernst,« gab sie mit einem eigentümlichen Lächeln zur Antwort.

»Nicht stören? was soll das heißen?« frug er verwundert.

»Nun, ich dachte mir,« bekannte sie zögernd, »Ihr wäret mit dem hübschen Fräulein in Männertracht lieber allein.«

Ernst trat einen Schritt zurück und riß die Augen weit auf. »Was sagst du? Du hältst Joseph für ein Mädchen?« Und er lachte laut auf. »Freilich, hübsch genug ist er dazu.«

»Ihr könnt mich mit Eurem Lachen nicht täuschen,« sprach sie; »also tut nicht so, als wüßtet Ihr nicht, wen Ihr dort auf der Bank und auch wohl sonst noch wo im Walde geküßt habt!«

»Aber Susanne!« versicherte er, »Joseph ist der Sohn eines jüdischen Arztes, der bei uns eingekehrt ist, und dem ich den Weg nach Mosbach gezeigt habe, von wo er in ein paar Tagen zurückkehren wird.«

»Und ich sage Euch: in dem knappen, kurzen Wams steckt ein Mädchen,« erwiderte sie fast heftig. – »Solltet Ihr das wirklich nicht wissen?« fuhr sie fort, als er immer noch ungläubig und in sprachlosem Staunen vor ihr stand. »Ja, wo habt Ihr denn Eure Augen, Junker Ernst? Seht doch den Wuchs! und habt Ihr es auch nicht bei dem Kusse gespürt, bei dem sie rot wie eine Rose wurde?«