»Josephine!!« – da lag sie schon in seinen Armen, an seiner Brust und schluchzte und weinte, bis ins tiefste Lebensmark erschüttert.
Er drückte sie an sich und küßte sie auf die Stirn und den bebenden Mund, und sie, dem nie gekannten, mächtigen Gefühl erwachender Liebe völlig hingegeben, ließ alles geschehen und schaute durch Tränen lächelnd glückselig zu ihm auf.
Ruhig, ohne Leidenschaft sprach Ernst: »Liebes Mädchen! schütte dein Herz aus, ich will dein Freund und Bruder sein.«
Da riß sie sich los, schlug die Hände vor's Gesicht und rief: »O mein Gott! was hab' ich getan?! verzeiht mir, edler Junker! und ich bitte Euch herzlich, verratet keinem Menschen, was Ihr nun wißt, und was ich gesagt habe; ich schämte mich sonst zu Tode. Es wallte heiß in mir, ich mußte es Euch sagen, mit Euren Augen habt Ihr es mir aus der Seele gezogen, ich konnte nicht anders; nun ist's vorüber; ach! war ich doch einmal, einmal im Leben glücklich!« Wie erschöpft lehnte sie das Haupt an seine Schulter, in seinen umschlingenden Arm, und so schritten sie durch den lauschenden Wald langsam dahin.
»Was mögt Ihr von mir denken?« begann sie nach einer Weile wieder, da er beharrlich schwieg, um sie durch freies Aussprechen erst wieder ruhig werden zu lassen. »Ihr seid eines stolzen Ritters Sohn, und ich bin ein armes, verachtetes Judenmädchen, das kaum wagen darf, den Saum Eures Gewandes zu berühren, geschweige denn die Augen zu Euch zu erheben; aber denkt nichts Übles von mir! in wenig Tagen wandern wir weiter, und spurlos wie meine Tritte hier auf dem Wege verschwinde ich aus Eurem Gedächtnis.«
Tröstlich fühlte sie einen leisen Druck seines Armes und hörte mit halbem Ohr seine Antwort: »Ich denke nichts Übles, Josephine, – so heißt du doch wirklich?« sie nickte, – »aber ich werde diese Stunde nicht vergessen, und nie wird ein Wort davon über meine Lippen kommen.«
Immer noch erregt frug sie bald darauf: »Habt Ihr eine Braut, Junker Ernst? liebt Ihr ein Mädchen, das Eurer würdig ist? gewiß ein edles Burgfräulein; o macht sie glücklich! Ihr könnt es, Ihr!«
Lächelnd erwiderte er: »Du magst es von allen Lebenden allein und zuerst erfahren; ja, ich liebe ein holdseliges Fräulein; aber,« fügte er seufzend hinzu, »sie weiß es noch nicht, und ich werde schwer um sie ringen und kämpfen müssen, um sie zu gewinnen.« Dabei wandte er den Kopf und warf einen sehnsüchtigen Blick nach der Richtung hin, wo die Minneburg lag.
»Soll ich Euer Bote sein und ihr ein Brieflein bringen?« frug sie schnell.