»Nein, nein, ich sag' es ihr selbst. Als wir heute von deinem Vater schieden, waren wir nicht fern von ihr.«

»Auf der Minneburg?!« rief die Jungfrau und war schnell ein paar Schritte von Ernsts Seite fort, ihn überrascht anblickend, als wollte sie mehr von ihm hören oder auch ihm mehr sagen.

»Geraten, Josephine! aber wie ist das möglich?« frug er erstaunt.

»Ihr sagtet heute zu meinem Vater, der sich links abzweigende Weg führte zur Minneburg,« erwiderte sie. »Aber nennt mich nicht bei meinem Mädchennamen, damit Ihr Euch nicht einmal zu Hause auf der Burg versprecht und mich damit verratet; nennt mich Joseph wie bisher, Ihr seht ja –« und lachend und lieblich errötend blickte sie an sich herab und zeigte auf ihre männliche Kleidung. »Mein Vater wünscht es,« kam sie einer Frage Ernsts zuvor. »In dem wenigen Gepäck, das wir mit uns führen, sind auch Frauengewänder für mich; aber in der Fremde, in den Herbergen wäre ein Mädchen, zumal eines Juden Tochter, wenig geschützt vor allerlei Abenteuern und Fährlichkeiten. Darum gehe ich als Knabe verkleidet und es ist mir bis jetzt noch so ziemlich geglückt, mein wahres Geschlecht zu verbergen, wenn ich auch manchmal merke, daß sich ein starker Verdacht bei denen regt, die mich genauer ansehen wie heute Mittag Susanne. Wenn die mich als Mädchen erkannt hat, so seid Ihr daran schuld, Junker Ernst, weil Ihr mich zwanget, meinen langen Rock abzulegen, wie Ihr Euch überhaupt viel freundliche Mühe gegeben habt, mich auszukundschaften,« fügte sie ihm schelmisch drohend hinzu.

Er lächelte und nickte.

»Mein Vater würde mich schelten, wenn er erführe, daß ich mich Euch entdeckt habe.«

»Dein Vater durchzieht das Land als Arzt und Sternkundiger und deutet den Menschen ihr Schicksal aus dem Lauf der Gestirne,« sprach er, »nicht wahr?«

»Ja, so ist es,« erwiderte sie; »er stellt ihnen das Horoskop oder die Nativität, wie er es nennt.«

»Und was hat er dir prophezeit?«

»Kein Glück,« antwortete sie schwermütig. »Er will mir meine Zukunft nicht entschleiern.«