Auch dem Burgvogt verbot Juliane den Einlaß des Fremden; aber der rüstige Alte redete ihr bescheiden zu, die Kunst des Sterndeuters doch einmal zu erproben.
Juliane schüttelte das Haupt und sagte: »Es taugt nichts, sich durch Prophezeiungen, die man Tag und Nacht nicht wieder aus dem Kopfe los wird, in seiner Ruhe stören zu lassen. Mich verlangt nicht nach meines Schicksals Kunde.«
»Aber uns desto mehr, Mutter! bitte, laß den Mann kommen!« sprach Richilde mit flehendem Blick.
»Er wird uns ja nicht gleich unsere Todesstunde bestimmen,« fügte Sidonie hinzu.
»Und überhaupt,« schloß Hiltrud, »wenn er etwas Schlimmes und Schreckliches für uns in den Sternen liest, so sagt er es uns gewiß nicht!«
»Weist den Fahrenden nicht ab, gnädige Frau,« ließ sich nun auch der Burgvogt wieder vernehmen, »vielleicht entdeckt er Euch etwas, was zu wissen Euch sehr angenehm und nützlich wäre.«
Da siegte auch in Frau Juliane die weibliche Neugier, und nach einem kurzen Besinnen gab sie den vereinten Bitten ihrer Burggenossen nach und sagte mit einem halb schmollenden Lächeln: »Nun, so laß ihn in Gottes Namen herein, Weiprecht!«
»Aber es ist ein Jude, gnädige Frau!«
»Meinetwegen, und wenn's ein Türke wäre!« lachte sie jetzt.