»Seht wohl, gnädige Frau!« erwiderte Zachäus, »nur Euch allein verkünde ich den Befund der Horoskope.«
»Da werden wir nicht viel erfahren,« flüsterte Richilde ihren Freundinnen zu, »das Beste sagt sie uns nicht.«
Juliane gab dem Burgvogt die Weisung, das oberste Gemach in dem viereckigen Turme zum bequemen Aufenthalt für den Gast herrichten und ihm an Speise und Trank nichts abgehen zu lassen, worauf sich die beiden Männer miteinander entfernten.
»Du mußt uns aber alles sagen, Mutter, was der Sternkundige dir morgen unter vier Augen mitteilt,« sprach Richilde, als die vier wieder allein waren, ihre Mutter umhalsend, »versprich uns das!«
»Nichts versprech' ich euch!« erwiderte Juliane.
»O ja! o ja!« fielen Sidonie und Hiltrud gleichzeitig ein, Julianen ebenfalls mit den Armen umschlingend, »alles müßt Ihr uns sagen, Frau Juliane, alles! wenigstens alles, was uns angeht. Schwört, Frau Juliane, uns nichts verheimlichen zu wollen! schwört uns bei – ja, wobei nun gleich? wobei schwört Ihr am liebsten und am höchsten?«
»Schwört uns bei Eurem aschblonden Haar!« sprach Hiltrud.
»Beim minnigsten Munde der Minneburg!« rief Sidonie.
»Schwöre bei den ewigen Sternen, die uns allen Glück verheißen mögen!« bat Richilde.
»Laßt mich los! ihr erdrosselt mich ja!« rief Juliane, sich mit Mühe aus dem Schlangengewinde der sie umstrickenden sechs Mädchenarme befreiend. »Ich schwöre nichts und verspreche nichts,« sagte sie dann, fast noch atemlos von der stürmischen Zärtlichkeit der sie Überfallenden; »ich bin hier Mutter für euch alle, und was euch jungem Volk zu wissen taugt oder nicht taugt, darüber habe ich als alte Frau allein zu entscheiden.«