»Schon recht,« erwiderte Zachäus; »morgen sollt Ihr es erfahren, Herr Burgvogt.«

»Ich danke Euch,« sagte Weiprecht, »und nun will ich Euch etwas Gutes zu essen und zu trinken heraufschicken.« Darauf ließ er den Juden allein, und dieser packte nun seine sieben Sachen aus der Tasche auf den Tisch, der an einer nur mit einem hölzernen Laden verschließbaren Fensterluke stand. –

Richilde schlief mit ihrer Mutter in einem Zimmer, und in einem anderen schliefen ihre beiden Freundinnen. Als sich letztere spät entkleidet hatten, um ins Bett zu gehen, trat Hiltrud im Schlafgewande noch einmal an das Fenster und blickte in die warme Frühlingsnacht hinaus und zum gestirnten Himmel empor. Sidonie gesellte sich zu ihr, schlang den Arm um den weichen Körper der Freundin und sagte sich innig anschmiegend: »Meinst wohl, du könntest auch in den Sternen lesen?«

»O, wenn ich das könnte, Sidonie!« erwiderte die andere begeistert. »Sieh mal den einzelnen hellen Stern dort uns gerade gegenüber! kennst du ihn? es ist Jupiter, und er soll viel, viel größer sein als unsere Erde. Wie wohl die Menschen dort oben leben, und was sie dort tun und treiben mögen?«

»Die Menschen auf dem Jupiter?« lachte Sidonie, »o du Schwärmerin!«

»Du wirst doch nicht glauben,« sprach Hiltrud, »daß unter den Millionen Sternen, die im grenzenlosen Weltall schweben, unsere Erde der einzige ist, der von lebenden Wesen bewohnt ist.«

»Darüber habe ich noch nie nachgedacht, denn es nützt nichts, wir ergründen es doch nicht,« antwortete Sidonie.

»Und ich muß immer daran denken, wenn ich die Sterne so leuchten und blinken sehe, wie jetzt,« sagte Hiltrud, »und dann ergreift mich jedesmal eine tiefe Sehnsucht, die Geheimnisse der Sternenwelt zu erforschen und zu wissen, ob die Menschen dort oben auch wie wir lieben und leiden, hoffen und kämpfen, und was dort oben für schöne, fremde Blumen blühen mögen, vielleicht auch viel größer, als hier auf der Erde.«

»Und ob dort oben vielleicht auch zwei närrische Mädchen im weißen Nachtkleid am dunklen Fenster stehen und zu uns herunterschauen –«

»Herunter? die müssen ebenso zu uns heraufschauen wie wir zu ihnen.«