Juliane schwieg, und ihr Blick hing mit steigender Verwunderung an den Lippen des Sprechenden, der wieder fortfuhr: »Das wäre alles, gnädige Frau, was ich Euch zu sagen habe, wenn nicht noch ein bedeutsamer Wink, der mit dem Schicksal Eurer Tochter in unmittelbarer Verbindung steht, die größte Beachtung verdiente.«
»Und dieser Wink lautet?«
»Gebt Eurer Tochter Richilde zunächst einen Stiefvater und dann erst einen Gatten!«
Die Schloßherrin lächelte: »Nun, Richilde ist noch jung; sie wird es so eilig nicht haben.«
Zachäus aber sprach: »Fräulein Richilde ist Euer ältestes Kind; zwei später gebotene Söhne sind Euch jung wieder gestorben, –«
»Auch das haben Euch die Sterne gesagt?« unterbrach ihn Juliane erstaunt.
Der Jude nickte würdevoll und sprach weiter: »Eurer Tochter droht außerhalb dieser Burg eine Gefahr, die ihr zwar nicht ans Leben geht, die aber nur ihr Stiefvater von ihr abwenden kann.«
»Sagt mir noch mehr von meiner Tochter,« verlangte Juliane nach einigem Besinnen.
»Wohl, so hört! Fräulein Richilde liebt und wird wieder geliebt –«
»Das ist nicht wahr, das ist unmöglich!« fuhr Juliane heftig auf.