»Gnädige Frau, in der Schrift der Sterne kann ich mich nicht täuschen,« erwiderte Zachäus mit einem überlegenen Lächeln. »Eure Tochter liebt einen ritterlichen Mann, der sie auch heimführen und für ihr langes Leben glücklich machen wird, wenn Ihr selber vorher eines zweiten Mannes Frau geworden seid.«
Juliane erhob sich und ging mit raschen Schritten auf und ab im Gemache. »Richilde liebt, und ich weiß nichts davon?« sprach sie erregt, »wen? wen, Zachäus?«
Der Jude zuckte die Achseln und schwieg.
»Und wird das alles so bald geschehen? ich meine, daß er sie heimführt, und ich vorher –«
»Bald ja! doch wie bald, haben mir die Sterne nicht gesagt,« erwiderte Zachäus.
In Julianens Hirn wogten die Gedanken wild durcheinander, sie wurde abwechselnd bald bleich, bald rot und schien während des Auf- und Abschreitens die Gegenwart des Sterndeuters ganz vergessen zu haben, bis dieser von selber anhub: »Wollt Ihr nun auch die Horoskope der beiden anderen jungen Fräulein wissen, gnädige Frau?«
»Ja so! freilich! sprecht, aber macht es kurz!« erwiderte sie hastig.
»Fräulein Sidonie von Hirschhorn ist ein Sonntagskind,« sagte Zachäus; »die Konstellation bei ihrer Geburt war höchst günstig. Alles, was sie beginnt, wird ihr geraten, denn sie hat eine glückliche Hand. Ihr Übermut und ihr leichter Sinn werden sie zuweilen in wunderliche Lagen bringen, aber das Schicksal oder ein unverhoffter Zufall werden alles stets zum besten lenken. Sie wird manchen Freier abweisen, mit dem Manne ihrer Wahl aber einst glücklich werden.«
»Wohl ihr!« sprach Juliane zerstreut, »weiter!«