»Aber du selber, Mutter! was verkündigte er dir?« fragte Richilde.

»Auch nichts Besonderes, aber nur Gutes,« erwiderte Juliane mit abgewandtem Gesicht.

»Und darum die Aufregung und Angst!« sprach Hiltrud.

»Wir wollen zufrieden sein, wenn alles eintrifft,« sagte Richilde. »Vor den Gefahren außerhalb der Burg fürchte ich mich nicht. Was kann mir begegnen? vielleicht, daß mich beim Blumenpflücken einmal ein Dorn sticht oder eine Nessel brennt.«

Das Ansehen des Mannes, der sich für einen Sternkundigen ausgab und nur mit einer so dürftigen Auskunft dienen konnte, war in den Augen der Fräulein nicht gerade gestiegen. Nur Sidonie, die Julianen mehrmals verstohlen beobachtete und deren mühsam verhehlte Erregung sehr wohl bemerkte, hatte über die Geringfügigkeit der ihnen gewordenen Mitteilungen ihre eigenen Gedanken, behielt dieselben jedoch für sich.

»Kommt, Mädchen!« sagte Juliane, »wir wollen satteln lassen zu einem wild fröhlichen Ritt in den Wald; mich verlangt nach Bewegung!«

Hiltrud und Sidonie hatten von den väterlichen Burgen ihre Reitpferde mitgebracht, die im Stalle der Minneburg Platz genug fanden, und bald waren vier Rosse gesattelt und am Palas vorgeführt. Die Damen schwangen sich mit Hilfe des Burgvogts in die Sättel und ritten über die Zugbrücke des breiten Grabens und den Burgweg hinab. Unten auf der Landstraße am Neckar sprengten sie freudig dahin, allen voran Juliane, als wollte sie den in den Ringmauern ihrer Burg sie umspinnenden Gedanken entfliehen und noch einmal in vollen Zügen die mit den Fesseln der Liebe bedrohte Freiheit ihres Herzens genießen.


Siebentes Kapitel.