Als Herr Bligger bald darauf im Burghof vom Pferde gestiegen war und nun zu seiner Gemahlin in die Laube trat, sagte er: »So! bis zu Laux Rapp habe ich sie gebracht und ihnen da noch einmal Mut zugetrunken.«

»Sie hatten's wohl nötig?« lächelte die Burgfrau.

»O, sie waren beide guter Dinge,« erwiderte Bligger. »Besonders Ernst war sehr aufgeräumt, und ich habe ihm wacker beigestanden, auch Hans in die rechte Stimmung zu versetzen.«

»Ich bin doch froh, daß ich den Weg nicht zu machen habe,« sagte Katharina.

»Ich auch!« lachte der Ritter, »und ich gäbe etwas darum, wenn ich heimlich Zeuge sein könnte, wie sich dieses Wiedersehen abspielen wird.«

»Nun, Juliane braucht sich der Gäste nicht zu schämen.«

»Nein, wahrhaftig nicht! Wie zwei Freier auf der Brautfahrt sahen sie aus, so hatten sie sich herausgeputzt,« versicherte Bligger wohlgelaunt. »Hans trug sein rehbraunes Seidenwams mit den silbergewebten Blumen, und Ernst das blaue, mit Grauwerk verbrämt, und am Gürtel die silberne Rinke, die er von Richilde bekommen hat. Laux Rapp frug mich, als die beiden weggeritten waren: ›Ei, ei, Herr Ritter, nach der Minneburg wollen die Herren in ihren Prachtgewändern? Also darum sorgte Junker Ernst, daß der Ohm zu lange bei den Sinsheimern bliebe! Ist wohl höchlich Gefahr, daß der Dauchsteiner Herr dem Junker Hans bei der schönen Witwe zuvorkommt und das Schlößlein ersteigt? Wäre schade drum; Euer Bruder und Frau Rüdt passen besser zusammen.‹ Welcher Wind hat das dem alten Fuchs nun wieder in die Ohren geblasen?«

»Er hört das Gras wachsen, sagen die Leute,« sprach Katharina. »Aber was hast du ihm geantwortet?«

»Das, Klügste, was ich wußte,« erwiderte Bligger. »Ich habe ihm die halbe Wahrheit gesagt, damit er die ganze nicht ausplaudert; Frau Juliane wollte ihren Wald einlösen, und dabei müßte es etwas feierlich zugehen, und wenn der Friede zustande käme, so schenkte ich seiner Susanne einen Goldgulden in den Mahlschatz. Übrigens hat mir Hans unterwegs noch fünfzig Gulden von dem Lösegelde zugunsten Julianens abgehandelt, und ich habe nachgegeben.«