»Und hast wohl daran getan.«
»Käthe!« sagte Bligger, indem er sich vor seine Frau hinstellte und die Hand sanft auf ihre Schulter legte, »wenn Hans und Ernst Juliane und Richilde von der Minneburg heiraten, so heiraten sie auch den Wald mit samt allen Hirschen, die darin schreien, und wir stecken das Lösegeld nur aus einer Tasche in die andere. Hab' ich nicht recht?«
»Bis auf das Wenn, lieber Alter!« lächelte die Burgfrau und folgte ihrem Gemahl in den Palas. –
Auf der Minneburg ging es heute, wie alle Tage, fröhlich her. Die drei Mädchen hatten im Zwinger lange Kränze gewunden und waren nun damit beschäftigt, sie in leicht geschwungenen Bögen an Julianens Erker aufzuhängen. Es war kein festlich zu begehender Tag, keine besondere Veranlassung zu diesem Tun, aber Frau Juliane liebte den grünen Waldschmuck zu Häupten ihres Platzes und saß gern unter solchem Baldachin, dessen Gewinde während des Sommers öfter erneuert wurden, wenn die alten verwelkt waren. Sidonie stand auf einer Leiter, um die Gehänge oben an der Wand zu befestigen, Richilde hielt ihr nachreichend dieselben hoch entgegen, und Hiltrud gab ihr nach dem Augenmaße Wink und Weisung, daß ein Bogen dem andern gleich wurde, während Juliane, in einen Faltestuhl bequem zurückgelehnt, dem lustigen Treiben behaglich zuschaute.
»Höher hinauf, Sidonie!« rief Hiltrud der Freundin zu; »wenn du das so tief herunterhängen läßt, so reichen wir mit unserem Gewinde nicht; das mußt du dir doch berechnen.«
»Ja, wenn ich etwas von Geometrie verstünde, wie Meister Isaak Zachäus,« gab ihr Sidonie zur Antwort.
»Zachäus! ja das ist wahr; der könnte uns helfen,« sagte Richilde. »Soll ich ihn holen?«
»Du würdest ihn vergebens suchen,« sprach Juliane. »Er ist heute morgen von dannen gezogen.«
»Gut, daß er fort ist, der unheimliche Sterngucker! ich traue dem Juden nicht,« sagte Sidonie.