»Geht er nun auch nach den anderen Burgen, um Horoskope zu stellen?« erkundigte sich Richilde.
»Das hab' ich ihn auch gefragt,« erwiderte Juliane, »aber er verneinte es. Er hätte nur ein Geldgeschäft bei den Chorherren in der Abtei zu Mosbach zu besorgen gehabt und wollte nun wieder nach Heilbronn zurück, sagte er mir und fügte hinzu, die Burgherren behandelten ihn zu schlecht, er hätte sich nur auf die Minneburg gewagt, weil hier eine Frau die Gebieterin wäre.«
»Als Beschützerin der chaldäischen Wissenschaft!« lachte Hiltrud.
»Bei der aber nichts Vernünftiges herauskommt, als daß man einmal einen Mann kriegen soll, was sich doch ganz von selbst versteht,« kicherte Sidonie oben auf der Leiter.
»Heute spottet ihr,« sagte Juliane, »und neulich wart ihr Feuer und Flamme vor Begierde, euer Schicksal zu erfahren.«
»Aber wir haben so gut wie nichts erfahren, Mutter!« bemerkte Richilde.
»Glaubt Ihr denn wirklich an die Weissagungen des Juden, Frau Juliane?« frug Sidonie.
»Da ihm die Sterne über Vergangenes das Richtige gesagt haben, was er anders nicht wissen konnte, so muß ich auch das glauben, was er von der Zukunft enthüllte,« erwiderte Juliane.
Hiltrud sprach: »Schade, daß wir ihn nicht auf die Probe gestellt und gefragt haben, ob er wüßte, wann jede von uns ihren Weisheitszahn bekommen hat.«
»Sage nur: bekommen würde!« verbesserte Sidonie.