Auch Hiltrud und Richilde machten sich an Juliane heran und redeten ihr gleich Sidonie freundlich zu. Allen dreien war das Zerwürfnis mit den Landschaden sehr wohl bekannt, aber den Hauptgrund von Julianens Bestürzung ahnte keine von ihnen.

Juliane schob die Mädchen beiseite und sagte heftig: »Laßt mich in Ruhe!« Dann durchmaß sie mit raschen Schritten mehrmals die ganze Länge des Raumes auf und ab, und die anderen, die sich erwartungsvoll und scheu beiseite hielten, sahen es ihr deutlich an, daß sie einen schweren Kampf mit sich kämpfte. Endlich blieb sie vor dem eines Bescheides harrenden Burgvogt stehen und frug: »Junker Hans und Junker Ernst? sonst niemand?«

»Sonst niemand.«

»Führe die Herren herauf!«

Weiprecht ging, und Juliane, jetzt vollkommen gefaßt, gebot den Mädchen: »Ihr macht euch mit euren Kränzen zu schaffen und tut ebenso heiter und unbefangen, wie ihr es von mir sehen werdet.«

Sidonie lächelte und sprach leise für sich: »Da bin ich doch neugierig!« Zu Juliane sagte sie dann: »Seht nur zu, wie Ihr mit Ohm Hans fertig werdet! Ernst nehme ich auf mich! wir kennen uns!«

»Rasch, kommt her!« flüsterte Hiltrud. »Wir setzen uns hier auf die Stufen und binden dies Ende hier auf und dann wieder zu.«

»Ja, ja!« sprach ebenso Sidonie, »aber ich muß die beiden sehen können. Richilde hierher, zu mir!«

Richilde gehorchte, war aber ganz verwirrt und wußte nicht, was sie tat.

Jetzt traten die beiden Junker zur Tür herein und verbeugten sich vor den Damen. Juliane ging ihnen keinen Schritt entgegen und bot ihnen nicht die Hand zum Willkommen. Sie hatte sich mit dem Rücken gegen das Fenster gestellt, so daß Hans, vom Lichte geblendet, nicht bemerken konnte, wie ihr das Blut ins Gesicht stieg, als sie den ritterlichen Mann wiedersah, der einst ihr trauter Freund gewesen war.