»Verzeiht, edle Frau,« begann Hans etwas unsicher, »daß wir ohne Ansage bei Euch eingeritten sind, und ich gestehe, daß ich gezögert habe, weil ich nicht wußte, ob ich wohl kommen dürfte.«
»Ich hätte allerdings eher geglaubt, daß Burg Schadeck das Neckartal heraufgewandelt käme, als daß Junker Hans Landschad jemals wieder über die Zugbrücke der Minneburg reiten würde,« gab ihm Juliane scharf zur Antwort, doch ihre Stimme bebte dabei.
»Hätten wir die Wünsche, die man auf der Minneburg hegt, früher gekannt, so hätte längst einer von uns den Weg hierher gefunden,« erwiderte Hans, um aus der Verlegenheit heraus so schnell wie möglich zur Sache zu kommen.
»Von was für Wünschen sprecht Ihr, Junker Hans? Aber nehmt Platz, ich bitte Euch!« sagte sie in unmittelbarem Anschluß an die Frage, indem sie auf die Bank zeigte, die an der Wand entlang lief, und ihren Sessel herumdrehte, um sich selber wieder darin niederzulassen.
Jetzt konnte Hans ihre reizende Gestalt und den feinen Kopf mit dem aschblonden Haar und den anmutigen Zügen in voller Beleuchtung sehen, und seine Augen weideten sich an der blühenden Erscheinung, an welcher er keine Veränderung gegen früher wahrnahm.
»Also, was meint ihr für Wünsche?« wiederholte sie, da er noch schwieg.
»Euren verpfändeten Wald von uns einzulösen,« antwortete Hans.
»Wer hat Euch gesagt, daß ich diesen Wunsch hätte?« fuhr Juliane betroffen heraus.
»Das habe ich meinem Vater gesagt, gnädige Frau!« mischte sich Ernst ins Gespräch.
»Und – erlaubt mir die Frage, Junker Ernst! – woher wollt Ihr dergleichen wissen?« wandte sie sich an diesen.