»Von mir!« kam es vom Erker her, wo die drei Fräulein mit einer geflissentlichen Emsigkeit an ihren Kränzen herum banden und wanden. Richilde war es, die gesprochen hatte, und deren Wangen nun glühten.
»Von dir?« sagte Juliane mit starker Betonung des zweiten Wortes sich zu ihrer Tochter wendend. »Hattest du Auftrag, mit Junker Ernst Landschad von Wünschen zu reden, die ich habe oder nicht habe.«
»Auftrag nicht, aber – aber du hast ihn doch, Mutter, den Wunsch –«
»Ach, was weißt du davon!« unterbrach Juliane sie streng.
»Mutter! Du hast es mir oft gesagt!« widersprach Richilde sehr erregt.
»Heiter! unbefangen, Richilde!« raunte ihr Sidonie halblaut zu mit einem schalkhaften Blick zu Juliane hinüber, die den Spott wohl verstand. Dann rief sie munter: »Ernst, bitte, komm hierher! sei so gut, steige die Leiter hinauf und binde dieses Gehänge an den Haken da oben.«
»Schon wieder –?« lachte Ernst, – wo hinaufklettern! hatte er auf der Zunge.
Aber Sidonie ahnte, was er sagen wollte, und fiel schnell ein: »Beruhige dich! diese Zweige sind nicht von den Bäumen Eures Waldes; wir haben nicht ›schon wieder‹ einen Frevel verübt.«
Ernst stieg gehorsam die Leiter hinauf, das Laubgewinde zu befestigen, was nicht so rasch vonstatten ging, denn Hiltrud und Sidonie hatten bald dies, bald jenes daran auszusetzen, bis er es ihnen recht machte. Auch Hans und Juliane warfen ein paar überflüssige Bemerkungen dazwischen, um nicht in verlegenem Schweigen dabeizusitzen. Er hatte sich den Empfang, der seiner hier wartete, doch noch schlimmer, noch unfreundlicher vorgestellt, als er in Wirklichkeit ausgefallen war. Nun er über das Peinliche desselben hinaus war, fühlte er sich fast so heimisch wieder in diesen altbekannten Räumen, als hätte er sie gestern erst verlassen, und gab sich widerstandslos dem Zauber hin, den Juliane, trotz ihres abweisenden Benehmens, doch wieder auf ihn ausübte. Auch sie konnte sich der Erinnerung nicht erwehren, was der ihr gegenüber Sitzende ihr einst gewesen war; aber um so mehr auch erbitterte sie der Gedanke, was er ihr jetzt sein könnte, wenn er ihr treu geblieben wäre.