Bligger war, wie er selber wußte, in jener Nacht vom Torwart erkannt worden, und wenn man auch von seiner augenblicklichen Verfolgung Abstand genommen, so hatte doch der Wächter von der vorübergehenden Anwesenheit des als Mönch Vermummten in der Stadt dem Rate Anzeige gemacht, der das Verdacht erregende Begebnis auch dem pfalzgräflichen Hofe mitteilte. Man hatte weiter nachgeforscht und durch die Frau, die der fremde Mönch auf der Gasse angeredet hatte, von seinem Besuche beim Doktor Christoph Wiederhold erfahren. Zu diesem war nun der kurfürstliche Rat Doktor Uffsteiner gekommen, hatte den Rechtsgelehrten über den Anlaß des Besuches ins Verhör genommen und ihm mit peinlicher Befragung gedroht, falls er sich nicht zu erschöpfender Aussage herbeiließe. Infolgedessen hatte Wiederhold eingestanden, daß der Unbekannte seinen Rat wegen des Rechtes der Hagestolze begehrt habe, und hatte die ganze Unterredung mit ihm dem Doktor Uffsteiner zu schriftlicher Aufzeichnung überantwortet mit dem Hinzufügen, daß derjenige, um dessen dereinstige Hinterlassenschaft es sich dabei handelte, durchaus keine Kenntnis von dem Bestehen des genannten Rechtes hätte.

So war denn also dem Pfalzgrafen, dem Erbschleicher der Hagestolze, wie Bligger seinen gnädigen Landesherrn nunmehr nannte, die gute Gelegenheit, sich zu bereichern, verraten worden, und der Ritter mußte sich darauf gefaßt machen, daß jener alles aufbieten würde, das jus misogamorum zu seinen Gunsten auszunutzen.

Bligger geriet darüber in eine grenzenlose Wut, und wenn er nach Anhörung von Isaaks Bericht den Wächter des Brückentores zu Heidelberg, den eigentlichen Anstifter des Verrates, gleich zur Stelle gehabt hätte, so wäre dieser kaum mit dem Leben davongekommen.

Das Eingreifen des pfalzgräflichen Hofes in die Angelegenheit ließ auch nicht im mindesten auf sich warten, wenngleich die Schritte, die den Zweck hatten, die Verheiratung des hagestolzen Junker Hans zu hintertreiben, Herrn Bligger nur teilweise bekannt wurden.

Die Handhabung des heimlichen Widerspiels gegen die Landschaden wurde unter genauer Darlegung des Tatsächlichen dem kurfürstlichen Gaugrafen auf dem Dilsberge, Grafen Philipp von Lauffen, anvertraut, und dieser wußte zunächst nichts Besseres zu tun, als einen Kundschafterritt nach der Schmiedeschenke zu unternehmen, um den ihm wohlbekannten und ergebenen Laux Rapp, der alles und noch ein wenig mehr wußte, über Wege und Stege der Landschaden auszuhorchen.

Es hätte so viel einschmeichelnder Herablassung, wie Graf Philipp ihm angedeihen ließ, gar nicht bedurft, um Laux zum Reden zu bringen. Bald wußte der Graf von dem Ritt der festlich gekleideten Junker Hans und Ernst nach der Minneburg und war ganz der Meinung des klugen Schmiedes, daß es sich dabei wohl noch um ganz andere Dinge handeln müßte, als um die plötzliche, mit einem Male nötig gewordene Versöhnung zweier schon so lange getrennter Familien und um die Auslösung eines verpfändeten Waldes. Auf der Minneburg saß eine noch immer jugendliche, schöne und reiche Witwe und wartete auf ihren zweiten Mann, und Junker Hans Landschad war neunundvierzig Jahre alt und konnte sich auch noch als Freier sehen lassen. Hier also war das Ende eines Fadens, an das ein anderer angeknüpft werden mußte. Dieser andere leitete den Suchenden nach der Burg Dauchstein, wo ein ebenfalls noch heiratsfähiger und heiratslustiger Witwer saß, Ritter Bruno von Bödigheim, der, wie der Schmied erzählte, und der Graf auch bereits gehört zu haben sich nun erinnerte, sich um die Hand der Herrin der Minneburg schon bemüht haben sollte.

Mit diesen Nachrichten war der Graf vorläufig zufrieden und ritt heim.

Nun aber belohnte sich die Gastfreundschaft, die Bligger dem alles beobachtenden Juden erwies.

Als Isaak Zachäus mit seinem Sohn im Walde gewesen war, um Heilkräuter zu suchen, hatten sie einen Reiter in ritterlicher Tracht gesehen und von ein paar Kindern, die Beeren sammelten, auf ihre Frage herausgebracht, daß es der Graf vom Dilsberge war, der den Weg von der Schmiedeschenke dahergeritten kam.

Am Abend erfuhr Bligger, daß Graf Philipp von Lauffen bei Laux Rapp gewesen war, und der selber in allen Satteln Gewiegte kannte den doppelzüngigen Schmied gut genug, um sich sagen zu können, daß der Graf nun auch von Hansens und Ernsts Ritt nach der Minneburg wußte. Er sann darüber nach, wie er es anfangen sollte, den Gaugrafen von der richtigen Fährte ab und zu der Überzeugung zu bringen, daß es sich dabei nicht um Hans und Juliane, sondern lediglich um die Einleitung einer Verbindung Ernsts und Richildens gehandelt hätte. Das war nicht leicht, denn sie trauten sich beide nicht recht, und Graf Philipp war daher nicht wenig erstaunt, als er eines Tages seinen Burgnachbarn im Tale, Herrn Bligger Landschad, oben auf der Veste Dilsberg bei sich einreiten sah. Der Ritter fiel jedoch keineswegs mit der Tür ins Haus, sondern bediente sich eines glaubwürdigen Vorwandes für seinen unvermuteten Besuch.