Unterhalb des Dilsberges war eine Kette über den Neckar gespannt, und der Gaugraf erhob an dieser Stelle im Namen seines Landesherrn von jedem vorüberkommenden Schiff einen Zoll, nach dessen Erlegung erst die Kette auf den Grund des Flusses hinabgelassen und dem Schiffe die Durchfahrt gestattet wurde. Diese Kette machte den Landschaden großen Verdruß, denn auch sie waren genötigt, für das Holz, das sie aus ihren Waldungen in Schiffen und Flößen den Neckar hinab über Heidelberg und Mannheim dem Rhein zuführen ließen, den Zoll zu entrichten, wodurch die trotzigen kleinen Selbstherrscher des Neckartales stets in unbequemer und ihrer Meinung nach demütigender Weise an die Oberhoheit des Landesherrn erinnert wurden.

Diesen Umstand griff Bligger als die Veranlassung seines Kommens auf und trug dem Grafen den Wunsch vor, den Wasserzoll ein für allemal abzulösen, damit die Landschaden und demnächst auch die übrigen benachbarten Burgherren gegen eine zu vereinbarende Geldsumme künftig und für alle Zeiten das Recht der freien Durchfahrt für ihre Holzfrachten erwürben.

Graf Philipp tat so, als wenn er dem Ritter glaubte, daß er nur deswegen den hohen Dilsberg erritten hätte, und versprach ihm, bei der kurfürstlichen Hofkammer dieserhalb vorstellig werden und ihm den Bescheid ehestens mitteilen zu wollen.

Bligger dankte dem Grafen für seine Bereitwilligkeit, das Anliegen befürworten zu wollen und verabschiedete sich gleich darauf. Fast in der Tür schon warf er leichthin: »Übrigens würdet Ihr auch künftig weniger Zoll von uns zu erheben haben, als in den letzten drei Jahren.«

»So? wollt Ihr Eure Forsten schonen und weniger schlagen lassen?« frug der Graf.

»Das nicht, aber Frau Rüdt von Kollenberg löst ihren großen verpfändeten Wald wieder von uns ein, der uns eine bedeutende Nutzung abwarf,« erwiderte Bligger.

Aha! dachte der Graf, jetzt kommt der Fuchs aus dem Loche heraus. »Nun,« sprach er, »da werdet Ihr Euch ein namhaftes Lösegeld zahlen lassen.«

»Nein,« sagte Bligger, »nicht auf das Lösegeld kommt es uns an –«

»Sondern?« – der Graf spitzte die Ohren wie ein Spürhund.

»Auf Frieden und Freundschaft mit Frau Juliane.«