Als er am nächsten Vormittag auf dem Dauchstein anlangte, wurde er vom Ritter Bruno von Bödigheim sehr freundlich aufgenommen. Bald standen die Becher auf dem Tische, und bei der Unterhaltung über minder wichtige Dinge, die Erwähnung von Jagdabenteuern und Fehdegeschichten brachte Graf Philipp geschickt das Gespräch wie von ungefähr auf die Minneburg und sagte: »Frau Rüdt von Kollenberg will nun auch ihren verpfändeten Wald von den Landschaden wieder einlösen.«
»Also endlich!« erwiderte Bruno von Bödigheim, »ich habe es ihr schon lange geraten, denn der Wald ist viel mehr wert, als die zweihundert Gulden, die sie den Landschaden darauf schuldet.«
»Hm! mag sein,« meinte der Graf, »Ihr habt ja wohl ein Wort dabei mitzureden. Seid Ihr nicht der Vormund von Fräulein Richilde?«
»Nein, sie hat keinen anderen Vormund, als ihre Mutter,« versetzte Bödigheim. »Rüdt hatte vor seinem jähen Ende nicht mehr Zeit, ihr einen besonderen Vormund zu bestellen.«
»So, so! dann ist Euch wohl auch noch nicht bekannt, daß sich der junge Landschad, Junker Ernst, Bliggers Sohn, um Richildens Hand bewirbt?«
»Nicht das geringste,« versicherte Bödigheim höchst verwundert. »Wißt Ihr das sicher und gewiß?«
»Das und noch mehr!« erwiderte der Graf. »Bödigheim! Euer Ritterwort, daß Ihr gegen jedermann, sei es Mann oder Weib, verschweigen wollt, was ich Euch heute sagen werde?«
»Mein Wort darauf!« und er schlug in des Grafen Hand.
»Also hört! Auf der Minneburg wird, – wenn nichts dazwischen kommt – bald Doppelhochzeit sein. Ernst freit um die Tochter, und Hans Landschad um die Mutter, Frau Juliane.«
»Lauffen! seid Ihr bei Sinnen?« fuhr Bödigheim auf und rückte mit dem Stuhle vom Tische zurück. »Ach, das sind ja Mären und Schnurren!« rief er dann und brach in ein lautes Gelächter aus, das aber viel zu gezwungen klang, um nicht die innere Unruhe des Lachers zu verraten.