Auf den Zehen schlich sie über den Estrich des Ganges zu dem verschlossenen Zimmer, schmiegte behutsam den Kopf an die Tür und lauschte.

Sie hörte sprechen und erkannte Engelhards Stimme, der ohne von Albrecht unterbrochen zu werden, diesem etwas auseinanderzusetzen schien, das wohl nicht leicht zu begreifen sein mochte, und von dem sie leider nur einzelne, abgerissene Worte verstehen konnte.

»… drei Monate und zwei Tage alt …«

Mein Gott! ein Kind! dachte Elisabeth, aber wessen? doch nicht –?

»… stirbt … Erbe verloren …«

Wer stirbt? wessen Erbe ist verloren?

Nun kamen ein paar Worte Lateinisch, darauf wieder Deutsch: »… einzige Mittel … Hagestolzenrecht … heiraten …« Dann lachten beide Männer und sprachen durcheinander, dann Engelhard wieder allein: »… die höchste Zeit … verschwiegen bleibt …«

Nach einer längeren und leiser gesprochenen Rede Engelhards, an deren Schluß die Lauschende das Wort »Minneburg« zu verstehen glaubte, brach plötzlich Albrecht in ein schallendes Gelächter aus und rief unvorsichtig laut: »Hans Landschad und Juliane Rüdt von Kollenberg!« und wieder lachten beide Männer unbändig.

Das war zuviel. Elisabeth hielt sich beide Ohren zu und schlüpfte eilends in ihr Gemach. Sie hatte es deutlich gehört: »Hans Landschad und Juliane Rüdt von Kollenberg!« Barmherziger Himmel! was hatten diese beiden getan, das verschwiegen bleiben mußte? Juliane war ihre beste Freundin. Sie hatte sie freilich lange nicht gesehen; aber das – das war ja ganz undenkbar. Sie wollte hin zu ihr, mußte sie sehen, sie fragen –

Da traten die Herren zu ihr ins Gemach und waren beide sehr aufgeräumt und lustig. Besonders Albrecht schüttelte zuweilen mit dem Kopf und lächelte still in sich hinein. Elisabeth aber brannte vor Neugier und mußte sich den äußersten Zwang antun, um unbefangen zu erscheinen und ein harmloses Gespräch mit den beiden führen zu können. Sie war froh, daß Engelhard bald darauf Urlaub nahm.