»Glaubt Ihr, daß es mir leicht wird? Was Euch im Innersten bewegt, das schlägt auch hier seine schütternden Wellen, und doch müssen wir es niederringen, und sollten wir darüber zugrunde gehen.«

»Ich bin schon nahe daran,« flüsterte sie. Dann fuhr sie immer erregter werdend fort: »Das eine Wort, das unauslöschlich in unseren Herzen geschrieben steht, ist niemals zwischen uns gesprochen worden; jetzt spreche ich es aus: Liebe – Liebe läßt sich nicht niederringen, Eike von Repgow!«

Mit einem schmerzlichen Lächeln entgegnete er: »Man lernt im Leben manches, was einem erst unmöglich däuchte. Das Schicksal ist stärker als wir, Gerlinde.«

»Der Starke schafft sich sein Schicksal selbst.«

»Ein Glück, auf Unrecht und Schuld erbaut, ist kein wahres Glück, ist ein unseliges Los, ein Fluch, dem wir nie und nirgend auf Erden entrinnen könnten.«

»Er falle auf mein Haupt! ich werde ihn tragen,« rief sie herausfordernd, hoch aufgereckt.

Eike schwieg, denn mit Worten waren Gerlindes heiß überquellende Gefühle nicht zu widerlegen. Aber er mußte seine ganze Mannheit aufbieten, der Liebeatmenden, Liebeverlangenden gegenüber fest zu bleiben. In verführerischer Schönheit stand sie vor ihm; er brauchte nur die Arme auszustrecken, sie an sich zu reißen, und sie war sein.

Ihm bebte das Herz, ihm siedete das Blut in den Adern; er war auch ein Mensch. Was sollte er beginnen, sich und die Geliebte aus der sie beide umgarnenden Gefahr zu befreien? Dazu gab es nur ein einziges Mittel, und schnell faßte er in diesen schwersten Augenblicken seines Lebens den Entschluß, der dem Kampf ein Ende machte. Mild und doch mit aller Bestimmtheit sprach er: »Gerlinde, wir müssen scheiden.«

Fragend, verständnislos blickte sie ihn an.