»Ich meine, es ist ratsam, nein, nötig, daß wir uns auf eine Weile trennen,« erklärte er schonend, ihre Hand mit seinen beiden umfassend. »Seht Ihr das ein, Gerlinde?«
Da sank ihr wie geknickt das Haupt auf die Brust, aber kein Laut kam mehr von ihren Lippen. Sie entzog ihm ihre Hand und ging still davon.
»Lebt wohl, Gerlinde!« rief er ihr nach, »ich reite morgen heim nach Reppechowe.«
Sie erwiderte nichts, wandte sich nicht nach ihm um, schritt langsam die Stufen vollends hinab und verschwand in der dämmrigen Nacht.
Eike blieb auf dem Altan in tiefen Gedanken. Er hatte getan, was er als ehrlicher, gewissenhafter Mensch und als Gast des Grafen tun mußte, aber ihm war wund und wehe im Herzen. Einem Traumwandler gleich begab er sich durch den Garten zum Schlosse.
Hell und heiter schien der zunehmende Mond vom Himmel, und von der Dirnitz her scholl jauchzender Gesang.
Siebzehntes Kapitel.
Halb betäubt von dem Mißerfolg ihrer erregten Aussprache mit Eike langte Gerlinde in ihrem Schlafgemach an, bemerkte aber trotzdem den beobachtenden Blick Melissas, der mit einem schlauen Lächeln über sie hinglitt. Das Lächeln wich jedoch schnell einem Ausdruck des Erschreckens vor den verstörten Zügen der Gräfin. Auch das sah Gerlinde noch. Melissa wußte also nicht allein, warum sie so lange auf ihre Herrin hatte warten müssen und mit wem sich diese versäumt hatte, sondern auch, daß die Zusammenkunft in nächtlicher Stunde keine erfreuliche gewesen war.