Stumm schritten die zwei über den vom Monde beschienenen Burghof an dem Brunnen vorüber, dessen von vier Pfeilern getragenes, seltsam geformtes Dach einen unheimlichen Schatten auf den stillen Platz warf.

Aber nicht in das Schloß führte Gerlinde den ihr verwundert Folgenden so schnell, daß er Mühe hatte, mit ihr Schritt zu halten, sondern in den Burggarten und dann die Stufen empor auf den Altan.

Dort trat sie geisterbleich, zitternd vor ihn hin, keines Wortes mächtig. Sie hatte sich alles sorglich ausgedacht, was sie ihm sagen wollte, und nun war sie unfähig, es vorzubringen.

»Gerlinde! was ist Euch? was ist geschehen?« fragte er bestürzt.

»Ich – ich kann nicht mehr leben so,« stieß sie aus gewaltig arbeitender Brust heraus.

»Um Gottes willen, redet! was ist geschehen?«

»Wie könnt Ihr noch fragen! Ahnt Ihr, ratet Ihr nicht, was mich in Verzweiflung treibt?« stöhnte sie. »Denkt an den Heidenquell!«

Da wußte er auf einmal alles. Die Leidenschaft ging mit ihr durch, zum rasenden Sturm entfesselt.

»Gerlinde!« sprach er ernst mit warnend erhobenem Finger, »dann denkt auch Ihr an das, was ich Euch dort gesagt habe. Wir müssen uns überwinden, dürfen nicht pflichtvergessen die Schranken durchbrechen, die uns unverrückbar gezogen sind.«

»Uns überwinden!« wiederholte sie bitteren Tones. »Wenn Ihr es könnt, – ich kann es nicht.«