Als er schon etwas entfernt von der Burg unter den hohen Eichen und Buchen war, erinnerte er sich, von ihr einmal gehört zu haben, daß sie auf ihren einsamen Streifereien die urwüchsige Wildnis in der Gegend des Heidenquells allen anderen Gebieten der Umgebung vorziehe. Einen Pfad dahin gab es nicht, aber die Richtung wußte er, und die schlug er nun in herzklopfender Spannung ein.

Oftmals blieb er bei seinem Vordringen stehen, lugte und lauschte nach rechts und links, damit Gerlinde nicht etwa seitwärts unbemerkt von ihm vorüberwandelte. Sollte er mit weithin schallender Stimme ihren Namen rufen? Das könnte sie, wenn sie den Ruf vernähme, befürchten lassen, daß auf der Burg ein Unglück geschehen wäre, dessentwegen man Boten nach ihr ausgesandt hätte. Deshalb unterließ er es.

Schnell verbarg er sich hinter einem noch ziemlich belaubten Busch, um Gerlinde beobachten zu können.

Endlich sah er in einiger Entfernung etwas Helles durch die Bäume und Sträucher schimmern, was sich bewegte und sich näherte. Das mußte sie sein. Schnell verbarg er sich hinter einem noch ziemlich belaubten Busch, um sie beobachten zu können, ehe sie ihn entdeckte.

Es war Gerlinde. Mit einem kleinen Bündel kam sie gesenkten Hauptes langsam daher.

Als sie heran war, trat er vor, streckte ihr beide Hände entgegen und sagte ruhig: »Gerlinde!«

Erschrocken blickte sie auf und stand wie angedonnert, zitternd und sprachlos da. Dann ließ sie das Tuch, in dem die eingesammelten Pflanzen steckten, zur Erde gleiten und legte in Eikes Hände die ihrigen, die er fest umschloß und an seine Lippen drückte.

In dem nämlichen ruhigen Tone fuhr er fort: »Da bin ich wieder, Gerlinde. Ich bin Euch nachgegangen, weil ich Euch auf diesem Wege zu finden hoffte.«

Während ihre Hände noch in den seinen lagen, atmete sie hoch auf, und ihn wie eine überirdische Erscheinung betrachtend, stammelte sie: »Sagt mir, – ist dies kein Traum? seid Ihr es wirklich, Eike von Repgow?«