Mit einer Schüchternheit, die ihrem hübschen Gesicht höchst anmutig stand, begann Melissa: »Es ist so, wie Ihr sagt, Herr von Repgow. Wir wollten Euch züchtig und bescheiden bitten, als Rechtsgelehrter einen Streit zwischen uns zu schlichten, in dem wir uns nicht einigen können.«
»Da bin ich aber neugierig,« versetzte Eike. »Trage mir euren Handel vor, Melissa! ich werde, wenn ich das Urteil finde, den Spruch fällen.«
»Es geht um eine Wette,« berichtete sie. »Wir haben gewettet, ob Ihr von Reppechowe nach dem Falkenstein zurückkehren würdet oder nicht. Fred schwur Stein und Bein, Ihr kämet nicht wieder, ich dagegen hielt Euch die Stange und behauptete, Ihr kämet wieder, und nun seid Ihr da, und ich habe die Wette gewonnen.«
»Das ist klar wie die Sonne, du hast die Wette gewonnen, Melissa,« bestätigte Eike. »Will Fred etwa die Buße nicht zahlen?«
»Gewiß will ich sie zahlen,« fiel Wilfred ein, »aber Melissa will sie nicht nehmen.«
»Will sie nicht nehmen? ach! – Wie hoch beläuft sich der Preis? um was habt ihr gewettet?«
Da wollte keiner mit der Sprache heraus.
»Melissa, ihr habt mich als Schiedsrichter angerufen, und ich bin ein schöffenbarer Mann, dem du die Wahrheit sagen mußt, denn ich kann dir den Eid staben, wenn ich will,« vermahnte sie Eike. »Um was habt ihr gewettet?«
»Um – um sieben Küsse,« flüsterte sie errötend.