Da blieb er vor ihnen stehen und sagte entschlossen: »Ja! will ich auch. Und wenn ihr mit eurer Sache zur höchsten Dingstatt unter Königsbann ginget, würdet ihr auch keinen anderen Spruch erhalten als den, den ich euch jetzt verkündigen werde. Also höret, wie von Rechts wegen erkannt wird. Du, Wilfred, hast die Wette verloren und mußt die Buße unweigerlich zahlen. Du, Melissa, hast die Wette gewonnen, kannst die Zahlung fordern, mußt sie aber auch ebenso unweigerlich einstecken. Von Teilung kann keine Rede sein, sieben Küsse habt ihr euch zu versetzen, keinen mehr und keinen weniger, dabei bleibt es. Wenn binnen heut und drei Tagen das gesprochene Recht in optima forma erfüllt ist, dann ist die Sache damit abgetan und erledigt. Wenn aber nicht, dann kann der Unbefriedigte wieder hier vor meinen Stuhl kommen und gegen den Widerspenstigen das Gerüfte schreien, das heißt die Klage erheben und dann auch die Zwangsvollstreckung beantragen. Fürsprecher, Bürgen und Eideshelfer braucht ihr nicht, denn ihr seid beide eures Paktes geständig. Geht! actum est.«
»Wir bedanken uns schön für den gnädigen und weisen Spruch, Herr Ritter,« sagte Wilfred vergnügt mit einer tiefen Verbeugung.
»Mit dir wette ich in meinem Leben nicht wieder,« schmollte Melissa, als sie mit Wilfred hinaus ging.
Eike blickte ihnen kopfschüttelnd nach und lachte, sich selbst verspottend: »Und das nennst du Urteil finden, schöffenbarer Mann?« –
Draußen auf dem einsamen Flur sprach Wilfred: »Der Ritter hat zu meinen Gunsten entschieden, Melissa. Nun will ich dir auch sagen, daß ich gar nicht in der Talmühle gewesen bin; nicht von Luitgard, sondern von meinem lieben Füchslein kam ich, als du mich neulich im Walde sahest.«
»Ist das wahr?« fragte sie, halb noch zweifelnd, halb in zitternder Freude.
»Ich schwöre es dir bei deinem seidenweichen Blondhaar, deinen liebestrahlenden Augen und deinem purpurroten Munde. Glaubst du's nun?«
»Ja!« jauchzte sie auf und umschlang ihn mit beiden Armen.
Da küßte er sie, bis ihr der Atem verging.