»Schade, sehr schade!« meinte der mit seiner Zumutung Abgewiesene, strich sich nachdenklich das glatte, runde Kinn und lenkte die Unterhaltung in andere Bahnen.
Er hatte aus der ihm bereitwillig Rede stehenden Schloßherrin alles herausgeholt, was sie ihm an wünschenswerten Nachrichten zu liefern vermochte, und hatte außerdem noch eine zweite Quelle zu seiner Verfügung, aus der er wahrscheinlich noch mehr ins einzelne Gehendes schöpfen konnte.
In die Burg zurückgekehrt machte die Gräfin ihrem Gemahl ausführliche Mitteilung von ihrem ernsten Gespräch mit dem Abte.
»Nun, da hast du ja mit deinen Offenbarungen und Fingerzeigen dem wißbegierigen Seelenhirten recht gründlich auf die Sprünge geholfen,« sagte der Graf mißbilligend.
»Das habe ich nicht getan,« beteuerte sie gekränkt. »Er fragte mich nach dem Gesetzbuch, dessen bald beendete Schöpfung ihm bekannt war.«
»Ihm bekannt war? Dann kommt das wieder von den verfluchten Quertreibereien des Aschariers her,« fuhr der Graf wütend auf. »Wenn ich doch dem Landstörzer, dem Dowald, an den Hals könnte! dem wollte ich die Hölle heiß machen.«
»Die Grafen von Blankenburg und Regenstein wußten doch auch schon davon, wie uns Eike sagte,« wandte Gerlinde ein.
»O die Grafen, das ist gut, aber die Pfaffen, das ist schlimm,« rief der Graf, »und ein echter, ausbündiger Pfaff mit seiner klug berechneten Geschmeidigkeit und salbungsvollen Verschmitztheit ist der Gröninger auch. Ja, wenn es den heuchlerischen Kuttenträgern in Wahrheit um den reinen, christlichen Glauben, um das Evangelium der Liebe zu tun wäre! aber das dient ihnen nur zum Deckmantel ihrer schändlichen Absichten. Unbeschränkte Macht, bedingsloser Einfluß nach oben und nach unten und zu diesen Zwecken die Knechtung alles Denkens und Fühlens im Volke ist es, was sie anstreben, und es zu erreichen ist ihnen kein Mittel zu schlecht. Hat er von dir verlangt, ihm zu beichten?«
»Nein.«
»Natürlich nicht!« lachte der Graf. »Das Beichtgeheimnis darf er nicht verraten, aber Geständnisse außerhalb des Beichtstuhles sind vogelfrei. Er ist ja doch nur dazu hergekommen, um hinterlistig das auszukundschaften und demnächst kanonisch auszubeuten, was du in deiner gottesfürchtigen Frömmigkeit die Güte hattest, ihm über Eikes Gesinnung anzuvertrauen.«