»So weiß er ja gar nichts,« lachte Eike. »Was will er denn? Mag er doch warten, bis er eine Abschrift vor sich hat und Grund zu Ärgernis darin findet. Das wird er freilich wohl, und dann mag er meinetwegen Lärm schlagen, mich soll's wenig kümmern.«

»Verzeiht Ihr mir meine Unbesonnenheit, Eike?« fing Gerlinde nach kurzem Schweigen an.

»Gerlinde!« rief er mit herzinnigem Ton. »Ich bin ja unsagbar glücklich über diese Lösung des Rätsels, denn Euer Wesen in letzter Zeit war mir ein Rätsel, über das ich mir trübe Gedanken machte. Ich glaubte, Ihr hättet –«

»– Euch nicht mehr lieb?« fiel sie rasch ein.

»Nein, – Ihr hättet dem Abte gelobt, mich zu meiden.«

»Das Gelübde hätte ich ihm nie getan, und wenn er Himmel und Hölle dazu in Bewegung gesetzt hätte,« rief sie. »Ich schämte mich meiner Angeberei und konnte Euch nur deshalb nicht mehr so unbefangen begegnen wie sonst. Das ertrug ich nicht länger, und darum ließ ich Euch bitten, zu mir zu kommen.«

»Das Beste, was Ihr tun konntet.«

»Ich wußte ja, daß Ihr mich freundlich anhören würdet. Und nun – wie soll ich Euch danken, Eike, daß Ihr diesen Druck jetzt von mir genommen habt?« fuhr sie tief erregt fort, sah ihn mit feucht schimmernden Augen an und reichte ihm die Hand, die er mit seinen beiden umfaßte und inbrünstig küßte.

Dann stürmte er hinaus wie gescheucht von einer Macht, die stärker war als er und die ihn übermannt hätte, wenn er noch geblieben wäre.