Als sie sich spät abends gute Nacht wünschten, fragte Gerlinde mit innigstem Ton: »Werdet Ihr mir auch wiederkommen, Eike?« Und wie berückend sah sie ihn dabei an mit ihren großen, dunklen Augen!
»Wenn sie mich nicht einfangen und in Ketten schließen, komme ich wieder, Gerlinde; ich lasse Euch mein Herz als Geisel,« entgegnete er lächelnd mit einem treufesten Händedruck und hätte sie so gern, so gern dabei geküßt.
In der Morgenfrühe ritt er frohgemut ab und die zwei Knechte in gebührendem Abstand hinter ihm. Er hatte Wetterglück; ein lauer Wind wehte, und vom nur spärlich bewölkten Himmel schien die Sonne, was er sich zum guten Zeichen nahm.
Wilfred hatte ihn abreiten sehen und sagte nachher zu Melissa: »Diesmal brauchen wir nicht zu wetten, ob er wiederkommt; er hatte nicht den Mantelsack voll Schriften hinter sich auf dem Pferde, und die Reise geht nur bis Quedlinburg, wie ich von Sibold erfuhr. Was mag er da zu schaffen haben?«
»Wohl eine Rechtssache bei der Äbtissin,« meinte Melissa. »Ich war mit meiner Herrin einmal dort; o da oben auf dem Schloß ist's herrlich, Fred! prächtiger als in unserer Burg hier. Schade, daß der Ritter dich nicht als Schreiber mitgenommen hat; ich hätt' es dir gegönnt.«
»In Quedlinburg wird es auch schon Gerichtsschreiber geben.«
»Aber keinen so gescheiten und schmucken wie du, Fred!« sprach sie schmeichelnd.
»Danke, mein Liebchen!« lachte er, doch es klang ein wenig gezwungen. –
Gerlinde wurde der Tag unendlich lang, sie zählte die Stunden, und als der Abend niedersank und es zu dunkeln begann, ward ihr bang und immer bänger.
Sie mußte sich mit ihrem Gemahl allein zu Tisch setzen, aber als sie einsilbig und gedankenvoll eben Platz genommen hatten, tat sich die Tür auf, und Eike trat in den Speisesaal.