»Eike!!« scholl es wie ein Freudenschrei aus beider Munde, und viel fehlte nicht, daß Gerlinde von ihrem Stuhl auf und dem Ersehnten in die Arme gesprungen wäre.
»Also nicht gefangen und eingesperrt!« rief der Graf. »Komm her, setze dich und erzähle! ich kann es kaum erwarten, alles von dir zu hören. So sprich doch, Mensch!«
»Erst einen Trunk!« bat Eike, »dieser trockene Herbstwind dörrt einem die Kehle schauderhaft aus.«
Gerlinde schenkte ihm geschwind ein, und nach einem tüchtigen Zug aus dem Becher hub er an: »Na, – Seine Hochwürden, der Abt von Gröningen läßt grüßen.«
»Was? Du hast ihn gesprochen?«
»Das nicht, aber seine Fußstapfen, will sagen sein Machwerk hab' ich deutlich erkannt.«
»Weiter, weiter!«
»Am Tage von Mariä Opfer kommt der Halberstädter Domdechant Herr Anno von Drondorf mit Vollmacht des Bischofs hierher auf den Falkenstein, um wegen meines Buches mit mir ins Gericht zu gehen.«
Starres Schweigen folgte dieser wie ein Blitz einschlagenden Nachricht.
Gerlinde saß tief erschrocken da. Das war die Wirkung ihrer Geständnisse zum Abte, der dadurch den Bischof gegen Eike aufgehetzt hatte! Sie machte sich wieder die bittersten Vorwürfe.