»Aber ich hoffe, Graf Hoyer, Ihr laßt mich an dem Scharmützel teilnehmen.«
»Nicht nur teilnehmen, Eike! Du bist der Angegriffene und verteidigst dich selber, wir wollen nur deine Schildhalter sein. Und nun trink und erzähle uns noch etwas von Quedlinburg.«
»O, da habe ich viel Schönes und Merkwürdiges gesehen,« berichtete Eike. »Vor dem Mittagsmahl hat mich Fräulein Adelheid von Hakeborn herumgeführt und mir alles gezeigt und erklärt. Besonders erfreute mich der herrliche Ausblick vom Schloß weit ins Land hinein, auf das ganze lang gestreckte Gebirge von Ballenstedt an gen Westen auf die Teufelsmauer, die Lauenburg, das Felsentor des Bodetales, nach Blankenburg, dem schroff abstürzenden Regenstein und im Hintergrunde zu dem alles beherrschenden Brocken, dessen Kuppe weiß beschneit herüberleuchtete. Auch in die wundervolle Basilika hat mich die junge Kapellanin geführt und zu den Grabstätten König Heinrichs des Vogelstellers und seiner Gemahlin Mathilde. Es waren erhebende und nachhaltige Eindrücke, die ich in der hochberühmten Stadt empfing, und darüber vergaß ich alle meine Sorgen.«
»Recht so, Eike!« sprach Gerlinde. »Wie sagt Horaz? ›In bedrängter Zeit bewahre dir ein Herz voll Gleichmut‹.«
Fünfundzwanzigstes Kapitel.
Sechs Briefe, freilich nur kurze und alle von gleichlautendem Inhalt, hatte Graf Hoyer am nächsten Morgen zu schreiben, und drei Knechte mußten satteln, um sie zu den Burgen der ihm befreundeten Grafen im Harzgau, Schwabengau und Helmgau zu bringen.
Die Mägde mußten die Gastzimmer herrichten, der Koch hatte sich eine Menge Mundvorrat, Fleisch, Geflügel und andere Lebensmittel aus Ballenstedt zu beschaffen und der Wildmeister für Rot- und Schwarzwild zu sorgen, denn die erwarteten Herren, die mehrere Tage zu bewirten waren, kamen nicht allein, sondern brachten jeder einen Gefolgsmann mit.
Die Dienstleute wunderten sich nicht wenig über die umfassenden Vorbereitungen, zu denen ihres Wissens kein Anlaß vorlag, auch kein Namens- oder Gedenktag, und Mariä Opfer war nicht ein so hohes Kirchenfest, daß man es sich üppige Gastereien kosten ließe.