Von den abgeschickten Boten kehrten zwei noch an demselben Abend zurück, der dritte erst am nächsten Mittag. Sie brachten von sämtlichen Geladenen Zusagen mit Ausnahme des ältesten von ihnen, des Grafen Christian von Wernigerode, den eine Unpäßlichkeit zu kommen verhinderte.

Schon zwei Tage vor Mariä Opfer traf als erster Graf Burkhard von Mansfeld ein, und tags darauf kamen die Grafen Johann von Blankenburg und Günther von Regenstein angeritten. Diese drei Herren waren über Eikes Pläne bereits unterrichtet und mit ihm in vollem Einverständnis. Deshalb verschob man allen Meinungsaustausch bis zur Ankunft der noch fehlenden Grafen Heinrich von Hohnstein und Botho von Stolberg, die für seine Bestrebungen erst gewonnen werden mußten, was Hoyer und Burkhard auf sich nahmen.

Auch die beiden aus dem Helmgau fanden sich rechtzeitig ein, und zwar ebenso wie die übrigen Herren ohne ihre Gemahlinnen, worüber Wilfred wieder den Kopf schüttelte, darauf neugierig, ob trotzdem die Äbtissin von Quedlinburg mit einigen ihrer Stiftsdamen zu dem Festmahl erscheinen würde, das man dem Reppechower zu Ehren anrichtete.

Fünf der Harzgrafen waren nun um den sechsten, den Falkensteiner, versammelt und begaben sich, nachdem auch die zwei Letztgekommenen die Schloßherrin höflich begrüßt hatten, in Hoyers Gemach, um sofort mit ihren Besprechungen zu beginnen.

Die Veranlassung zu dieser eilig anberaumten Tagung kannten sie alle schon aus Hoyers Einladungsschreiben, und dieser hielt nun seinen Gästen einen klaren, fließenden Vortrag über die für Volk und Vaterland unschätzbar hohe Bedeutung der in Rede stehenden gesetzgeberischen Arbeit, dem die Hörer mit gefesselter Aufmerksamkeit folgten. Dann machte er ihnen Mitteilung von dem sich dagegen erhebenden Widerspruch der Geistlichkeit, der unzweifelhaft aus dem Munde des morgen eintreffenden Domdechanten von Halberstadt einen vom Bischof genau vorgezeichneten Ausdruck finden dürfte.

An den mit allseitigem Beifall belohnten und auf fruchtbaren Boden gefallenen Vortrag knüpfte sich eine Reihe besonders von den beiden Helmgauern gestellter, die verschiedenen Rechtsgebiete berührender und ins einzelne gehender Fragen, auf die Eike oder auch die Grafen Hoyer und Burkhard mehr oder minder ausführlichen Bescheid gaben.

Heinrich von Hohnstein, eine reckenhafte Gestalt mit markigen, gebräunten Zügen, der man den heißspornigen Kampfhahn und wetterharten Pirschgänger auf den ersten Blick ansah, erkundigte sich nach der Behandlung des Forst- und Wildbannes in dem Gesetzbuch, und als ihm Eike befriedigende Auskunft über Hegung und Schonung und über den Schutz gegen Wild- und Holzdiebe erteilte, lachte er dröhnend auf: »Dann habt Ihr mich schon mit Leib und Seele im Sack und könnt von mir verlangen, was Ihr wollt. Um all das andere Zeug scher' ich mich den Teufel, das fegt Ihr besser auf einen Haufen als ich, Ritter von Repgow!«

Graf Botho von Stolberg, ein bedachtsamer, kirchenfreundlicher Herr, äußerte sich dahin, daß man doch auf die Stellung der Geistlichen im Reich und im Volke gebührliche Rücksicht nehmen und ihnen hie und da des lieben Friedens willen ein wenig durch die Finger sehen müsse.

»Was? des lieben Friedens willen, Botho?« fuhr der Hohnsteiner wild auf. »Halten denn die Pfaffen Frieden oder stiften sie Haß, Verfolgung und Zwietracht? Was fragen die nach Kaiser und Reich, nach Volk und Vaterland! Herrschen und gebieten wollen sie und wie Tyrannen schalten und walten. Ihre die Wahrheit verdrehenden Hetz- und Schimpfworte, mit denen sie wie mit Pflastersteinen um sich werfen, klingen weiß Gott! nicht nach Frieden, und wo es gilt, ihrem frechen Hochmut den Garaus zu machen, da schlag' ich wuchtig mit drein!«