Der Graf nahm das Anerbieten mit verbindlichem Dank an, worauf sich der Dechant erhob und die Gesellschaft nach einer leichten Verbeugung in die Runde schnell verließ.

Die anderen blieben noch beisammen, um ihre Eindrücke von dem ernsten, aber gefällig umgänglichen Mann auszutauschen.

Graf Burkhard von Mansfeld meinte: »Nach dem äußeren Verhalten des hochwürdigen Herrn fürchte ich für morgen keine schweren Zerwürfnisse zwischen ihm und uns.«

»Trau' ihm nicht, Burkhard!« riet Graf Hohnstein. »Er wird uns morgen die Krallen schon zeigen, die er heute noch versteckt hielt, und scheint in allen Sätteln gerecht zu sein; ich bin auf ein scharfes Rennen mit ihm gefaßt.«

»Es wäre mir lieb, wenn wir einen allzu harten Zusammenstoß mit ihm vermeiden könnten,« sagte Graf Hoyer.

»Aber von Nachgeben unserseits kann doch keine Rede sein,« fuhr Graf Günther von Regenstein auf.

»Vielleicht kämen wir mit Milde weiter als mit Schroffheit,« sprach Botho von Stolberg.

»Mit Milde, Botho!« spottete Hohnstein. »Reich' einem Pfaffen den kleinen Finger, und er nimmt die ganze Hand. Du stehst ihm von uns allen am nächsten und solltest ihn doch besser kennen.«

»O Gott! wie wird das werden?« seufzte Gerlinde.

»Es wird nicht so heiß hergehen, wie Ihr denkt, Frau Gräfin,« tröstete sie Johann von Blankenburg. »Der Prälat ist an Selbstbeherrschung gewöhnt und im Kapitel gut geschult.«