»Aber an Spitzfindigkeit uns allen über,« fiel der Hohnsteiner sofort wieder ein.

»Mich soll er nicht überlisten, Herr Graf,« mischte sich endlich auch Eike in das Gespräch. »Bei dem, was ich mit ihm auszumachen habe, lasse ich mich in keiner noch so fein gelegten Schlinge fangen.«

Diese Versicherung aus dem Munde des einzigen Gefährdeten freute die Grafen und wirkte auch auf Gerlinde beruhigend, so daß die Besprechung über den schwer zu durchschauenden geistlichen Herrn damit ihren Abschluß fand. –

Als am anderen Morgen das Glöcklein zum Gottesdienst rief, begaben sich sämtliche Insassen der Burg in die Kapelle, so viele darin Raum hatten, um die Messe zu hören, zu der die nötigen Prachtgewänder auf dem Falkenstein vorhanden waren. Ein junger Jäger versah das Amt des Ministranten, und Gräfin Gerlinde sang zur Erhöhung der Feier eine von Harfenspiel begleitete Hymne, die sie schon als Mädchen in ihrer fränkischen Heimat gelernt hatte.

Das Mittagmahl war heute später angesetzt als sonst, weil, sobald der Zelebrant seinen Morgenimbiß verzehrt haben würde, die Verhandlungen beginnen sollten, deren Dauer nicht im voraus abzuschätzen war.

Laut Verabredung versammelten sich die Herren im Gemache des Grafen Hoyer, wo sie den Domdechanten nicht ohne einige Spannung auf das, was er hier vorbringen würde, erwarteten.

Als er eintrat, wunderte er sich aufs neue, auch jetzt, zu dieser wichtigen Beratung, die Grafen wieder alle beisammen zu finden, und schloß daraus, daß er hier nicht bloß mit Eike von Repgow, sondern auch mit den gewiß zu dessen Beistand herbeigeeilten Machthabern zu kämpfen haben würde.

Er unterdrückte jedoch seine Überraschung, und nachdem er in der Mitte seiner mutmaßlichen Gegner am Tische Platz genommen hatte, hub er ohne Säumen an: »Ihr erratet wohl, erlauchte, edle Herren, mit welchem Auftrage mich mein hochwürdigster Bischof hierher entsandt hat. Ich soll gegen das von dem hier anwesenden Herrn von Repgow verfaßte Gesetzbuch Einspruch erheben, weil es in einzelnen Teilen seines Inhaltes den Grundsätzen und Überlieferungen unserer heiligen Kirche zuwiderläuft und dem Ansehen der ihrem Dienste geweihten Geistlichen Abbruch tut.«

»Darf ich vorerst fragen, hochwürdiger Herr,« schaltete Graf Hoyer ein, »wie Ihr auf die Vermutung gekommen seid, daß die Rechtsauffassung des Ritters von Repgow den Grundsätzen der Kirche zuwiderläuft?«

»Wir sind gewarnt worden, Herr Graf,« entgegnete der Dechant, ohne den Namen des Warners zu nennen, und fuhr dann, sich an Eike wendend, sogleich fort: »Erklärt mir, Herr Ritter von Repgow, mit welcher Absicht Ihr Euer Buch geschrieben habt.«