»Kein Papst kann Ghibelline sein,« rief Graf Johann von Blankenburg.
Ohne den Zwischenruf zu beachten, fuhr der Prälat fort: »Dem Papste das Bannen verbieten zu wollen, ist ein keckerer Angriff auf die unantastbare Hoheit der Kirche, als wenn Ihr dem Kaiser das Recht der Begnadigung absprechen wolltet. Aber höret weiter. In dem Buche steht geschrieben: kein Geistlicher, sei er Bischof, Abt oder Mönch, und kein Stift oder Kloster darf Laiengut erben.«
»Vortrefflich! damit wird der geistlichen Erbschleicherei ein Riegel vorgeschoben,« lachte der Hohnsteiner. »Den Bettelstab ließet Ihr pfänden, wenn etwas aus ihm herauszuschlagen wäre, euch und eure Klöster zu bereichern.«
»Wir suchen nicht die Säckel, sondern die Seelen,« verwies ihn der Dechant. »Ferner heißt es: jedweder Christenmensch soll auf der Dingstatt einen Fürsprecher haben, aber kein Pfaffe darf es sein.«
»Wozu auch?« meinte einer der Grafen. »Auf der Dingstatt muß Wahrheit und Freiheit des Wortes herrschen, und die zu vertreten taugt kein Pfaffe.«
»Was ist Wahrheit? was ist Freiheit? kann mir das einer von euch sagen?« fragte stolz der Kapitular. »Ihr schweigt; dann weiter! da steht: jeglicher Schatz, der tiefer in der Erde liegt, als die Pflugschar geht, kommt in des Königs Gewalt, auch wenn er auf bischöflichem Grund und Boden gefunden wird.«
»Grabt ihr geistlichen Herren nach Schätzen, die weder Motten noch Rost fressen, und sammelt euch welche im Himmel, wie die Heilige Schrift es lehrt,« ließ sich endlich auch Graf Botho von Stolberg vernehmen.
Der Dechant streifte ihn mit einem vorwurfsvollem Blicke, daß selbst er sich den anderen anschloß. Dann sprach er: »Ich glaube, edle Herren, daß ich euch nun der ketzerischen Stellen genug angeführt habe, die mich zur entschiedenen Verdammung des neuen Gesetzbuches drängen. Wenn –«
»Aha! kreuzige! kreuzige!« brüllte Hohnstein dazwischen.
»Wenn ihr aber deren mehr begehret,« – er griff in die Tasche seines langen Priestergewandes und holte einige beschriebene Blätter daraus hervor, die er empor hielt, – »hier habe ich ihrer noch etliche.«