Die anderen saßen alle sprachlos und begriffen nicht, was das zu bedeuten hatte.
Der Dechant aber ahnte den Zusammenhang des hier Vorsichgehenden und schaute ärgerlich und bestürzt darein. Er hatte angenommen, die Abschrift rühre von niemand anders als von einem Mönche des Klosters Gröningen her, der ihren Inhalt den mündlichen Mitteilungen eines zufällig Eingeweihten verdankte, dessen Namen man dem Domkapitel nicht genannt hatte. Nun bereute er, die Papiere aus der Hand gegeben und damit den arglistigen Trug enthüllt zu haben.
Es ward eine lange, unheimliche Stille, bis der Torwart eintrat.
»Goswig,« befahl der Graf, »die Zugbrücke hoch! kein Mensch kommt aus der Burg hinaus ohne meine ausdrückliche Erlaubnis!«
Goswig verbeugte sich und verschwand.
Darauf wandte sich der Graf zum Kapitular: »Der Famulus des Ritters ist in Eurem Auftrage bestochen worden und hat Euch diese Auszüge verräterischerweise angefertigt und ausgeliefert; es ist seine Handschrift. Er wird es zu büßen haben; mit Euch, Herr Domdechant, verhandle ich nicht mehr; Ihr kämpft nicht mit ehrlichen Waffen.«
Zornbebend erhob sich der Dechant. Aber mit erzwungener Ruhe sprach er: »Dann habe ich nur noch die Frage an den Ritter von Repgow zu richten, ob er widerrufen und die ketzerischen Bestimmungen in seinem Buche ändern und tilgen will.«
»Nicht ein Wort!« erklärte Eike.
»So wird der hochwürdigste Bischof nicht umhinkönnen, den großen Kirchenbann über Euch zu verhängen,« entgegnete streng und finster blickend Herr Anno von Drondorf.