Siebenundzwanzigstes Kapitel.

Nun gab es mittags doch ein freudigeres Mahl als gestern abend. Wie nach einem erfochtenen Siege saßen sie alle frohgemut an der Tafel, und der Mann mit dem steinernen Gesicht und dem hohlen, verschleierten Blick war nicht mehr unter ihnen. Eike wurde der Ehrenplatz an der Seite der Gräfin zugewiesen, und das Tischgespräch drehte sich ausschließlich um die Verhandlung mit dem verfolgungssüchtigen geistlichen Gegner, wobei die Herren sich mit Behagen an die scharf gewürzten Reden und Antworten erinnerten, die sich wie blitzende Klingen gekreuzt hatten.

Als Gerlinde erfuhr, daß Wilfred heimlich für den Abt von Gröningen Auszüge aus dem Gesetzbuch angefertigt hatte, war sie einesteils über diese Schändlichkeit empört, andernteils aber beruhigt, daß sie sich nun keine Vorwürfe mehr zu machen brauchte, als hätte sie durch ihre Andeutungen zu dem hinterlistigen Aushorcher den gefährlichen Streit wider Willen angezettelt.

Sie flüsterte Eike zu: »Also bin doch nicht ich die Verräterin, die das Unheil über Euch heraufbeschworen hat, Eike.«

»Das habe ich auch nie geglaubt, Gerlinde,« erwiderte er leise. »Ich wußte, daß Ihr daran unschuldig waret.«

»Was wird nun mit dem nichtswürdigen Menschen?« fragte sie.

»Er ist eingesperrt. Der Graf hat ihm den Befehl gesandt, sein Zimmer unter keinen Umständen zu verlassen; im nächsten Gauding soll über ihn abgeurteilt werden.«

Die Grafen unterhielten sich darüber, was der Bischof tun, ob er ungeachtet ihrer drohenden Haltung den Kirchenbann über Eike verhängen würde.