Sie setzten sich zu Tisch, redeten aber wenig und aßen auch wenig; auf allen dreien lastete die Trauer über das Scheiden.
Als sie aufstanden, sagte der Graf: »Heut' abend wollen wir noch fröhlich sein. Schaff' ein würziges Mahl, Gerlinde, und einen guten Trunk.«
Dann verfügten sie sich jeder in sein Gemach.
Dort schritt Gerlinde erregt und ruhelos auf und nieder. Es wollte ihr nicht in den Sinn, daß morgen alles aus und vorbei sein sollte, was seit dem knospenden Frühling, im blühenden Sommer und welkenden Herbst bis zum eisfrierenden Winter ihre Tage und Gedanken erfüllt hatte.
An die Zukunft mochte sie nicht denken, und da kam die Vergangenheit mit leisen Fittichen zu ihr herangeschwebt, umwob sie mit einem lichten Schimmer wie sanftes Abendrot, zeigte ihr freundliche Bilder, mahnte sie an frohe Stunden, und die Betrachtungen, die sich daran knüpften, senkten Frieden in ihre wunde Seele.
Worüber hatte sie sich denn zu beklagen? War scheiden und meiden nicht Menschenlos, so lange Staubgeborene auf Erden wandelten? und war ihr Schicksal ein grausameres als das tausend anderer, die ihr Liebstes mit blutendem Herzen hingeben mußten?
Eike schied von ihr nicht spurlos wie ein im nächtlichen Dunkel verlöschender Stern. Sie wollte seine aufsteigende Lebensbahn weit in die Ferne verfolgen, und er hinterließ ihr etwas, was ihr nie entschwinden und was kein noch so feindliches Geschick ihr jemals rauben konnte, – ein beseligendes Glück. Oder wäre eine tiefinnige Liebe, und zwar eine ebenso heiß erwiderte wie empfundene Liebe, selbst unter der harten Bedingung und mit dem schweren Opfer der Entsagung, kein Glück? Sie hatte es innerhalb dieser Schranken sattsam genossen, und kein grauer Schatten trübte, keine bittere Reue vergällte ihr die traumhaft süße Erinnerung.
Ihr wurde freier und leichter zu Mute; klar und bestimmt, mit hausfraulichem Pflichtgefühl traf sie ihre Anordnungen für das Abschiedsmahl.
Danach stapfte sie in schützender Umhüllung durch den Schnee zum Altan und pflückte, weil es kein anderes Grün mehr gab, einige Efeuranken, um daraus für Eike einen Kranz zu winden.