Von diesem Gange in ihr Zimmer zurückkehrend fand sie dort das Blatt, das sie zur Abschrift noch von ihm verlangt hatte. Ohne Aufhören schrieb sie, bis das letzte Wort auf dem Papiere stand, und schickte beides Eike durch Melissa zu.
Dann flocht sie den Kranz, bog und formte ihn, hier locker und luftig, dort dicht und gedrungen, dabei leise singend und summend und stets den im Geiste vor sich, dem sie das Laubgewinde auf die Stirn drücken wollte.
Darauf holte sie das Kursît hervor, das sie Eike heut überreichen wollte, prüfte es noch einmal mit Kennerblick und legte es dann sorgfältig wieder zusammen.
Inzwischen war es Zeit geworden, sich zum Mahle anzukleiden. Sie wählte ein helles, festliches Gewand, ein reich verziertes, goldenes Schapel für ihr Rabenhaar und ein von Edelsteinen blitzendes Geschmeide für Hals und Brust. So geschmückt wollte sie heute vor Eike erscheinen, ihm zu Ehren und zu ihrem Gedächtnis in seinem Sinn und Herzen.
»Bückt Euch ein wenig, hoher Ritter! ich will Euch für Eure gloriose Arbeit feierlich krönen.«
Im Speisezimmer hängte sie das Kursît über die Rücklehne seines Stuhles, und als die Herren zugleich eintraten, ging sie mit dem Kranz in der Hand auf Eike zu und sagte: »Bückt Euch ein wenig, hoher Ritter! ich will Euch für Eure gloriose Arbeit feierlich krönen.« Er beugte sich etwas herab, und während sie ihm den Kranz auf dem Haupte zurechtrückte, fuhr sie fort: »Lorbeer, wie er Euch von Rechts wegen gebührte, habe ich leider nicht; darum müßt Ihr mit Efeu von unserem Altan fürlieb nehmen.«
»Von Euch bekränzt dünk' ich mich doch ein laureatus zu sein,« erwiderte er, stolz auf die ihn berauschende Huld und Auszeichnung.
Sodann führte sie ihn an seinen Platz, wies auf das Kursît und sprach: »Diesen Wappenrock bitte ich Euch zu meinem Angedenken mitzunehmen; tragt ihn stets als Sieger im Turnier!«
Staunend besichtigte er die kostbare Stickerei und sagte: »Laßt mich die fleißigen Hände küssen, die mir ein solches Prachtkleid gewoben haben!«