Während dies geschah, setzten sich die Herren zu ihrem Brett, und zwar Bruno so, daß er, ohne sich wenden zu müssen, Isabella sehen konnte.
Das Spiel auf dem Brett und das Spiel auf der Harfe begann.
Mit süßem Wohllaut sang Isabella ihre Lieder, und die Hörer waren entzückt von ihrer schönen Stimme und ihrem meisterlichen Vortrag zum Klange der Saiten, die sie mit ihren schlanken Händen vollkommen beherrschte. In den Pausen, die sie zwischen den einzelnen Liedern machte, mußte sie den begeisterten Beifall des kleinen Kreises hinnehmen mit der stets wiederholten Bitte um mehr, immer mehr.
Auf dem Schlachtfelde aber, wo die weißen Truppen gegen die schwarzen kämpften, sah es wunderlich aus, und die beiden Könige kamen sich wie verlassen und verrathen von ihren Vasallen vor; so schlecht waren sie noch nie vertheidigt und beschützt, aber auch noch nie so ungeschickt angegriffen worden. Besonders Bruno's Heer erlitt empfindliche Verluste, und ein Held und Hauptmann der Seinigen fiel nach dem andern, obwohl das Gefecht sehr langsam von Statten ging und Oswald großmüthig genug war, seinen Gegner auf manchen verhängnißvollen Fehler aufmerksam zu machen, ehe der zerstreute Spieler den falschen Zug vollendete. Bruno blickte zu wenig auf das Brett und zuviel nach der lieblichen Sängerin, und als er nach einer Stunde die Schlacht verloren hatte, da war er ein doppelt Besiegter und so unrettbar verstrickt wie sein gefangener König.
Isabella sang und spielte noch weiter, und beim letzten Liede, das sie zu hören gab, ließ sie die Saiten der Harfe mächtig rauschen und stürmen, und aus ihrem Munde klangen die Töne und Worte wie lauter Herzensjubel glücklicher Liebe.
Dann vertrieb man sich die Zeit mit anderen Unterhaltungen, bis die Nacht herniedersank und die Sterne über der Hohkönigsburg aufzogen, und als der Thürmer wieder sein Gute Nacht vom Bergfried herab ertönen ließ, ging man froh und zufrieden mit dem verlebten Tage zur Ruhe.