Schon legte der Wald stückweise sein vielfarbiges Herbstkleid an, das sich, in kühlen Nächten gewirkt, jeden Morgen bunter und scheckiger zeigte. Das Laub in den Wipfeln der Buchen röthete sich, die im leisesten Windhauch erzitternden Blättchen der zwischen dunklem Nadelholz vereinzelt stehenden Birken flirrten und flimmerten wie geschlagenes Gold, und die Zweige der Vogelbeerbäume senkten sich unter der Fülle ihrer Trauben von leuchtendem Scharlach.
Die Luft war krystallklar und frisch, und wohlig athmend sogen sie die Reiter ein, die von der Hohkönigsburg herab den Waldweg dahinzogen.
Isabella und Bruno waren es. Er hatte sie um die Gunst gebeten, ihr bis Rappoltsweiler das Geleit geben zu dürfen und war damit einem stillen Wunsche von ihr entgegengekommen. Allerdings hatte Leontine dabei ein wenig nachgeholfen, indem sie, noch ehe Bruno die Absicht geäußert, mit Leontine gleichzeitig aufzubrechen, zu ihnen gesagt hatte: »Wenn ihr beiden den Berg zusammen herunter seid und Sanct Pilt vor euch habt, müßt ihr nach rechts abbiegen, sonst könnt ihr euch leicht verirren.« Das war ein deutlicher Wink für Bruno gewesen, für den er Leontine sehr dankbar war, denn nun verstand es sich ja von selbst, daß er Isabella seinen ritterlichen Schutz anbot, was er ohne diese verhüllte Aufforderung vielleicht nicht gewagt hätte.
Die Unterhaltung der Zwei bewegte sich in so ruhigem Gleise wie der Schritt ihrer Pferde, drehte sich um gleichgültige Dinge und blieb dem am fernsten, was ihren Herzen am nächsten lag. Innigeres aber als die Lippen sprachen die Augen der Beiden, wenn ihre Blicke sich trafen, sich festhielten und so bald nicht wieder losließen.
Die Sonne hatte schon mehr als drei Viertel ihrer Mittagshöhe erreicht, als Isabella, sich im Sattel reckend und auf einen einsamen Reiter zeigend, ausrief: »Da kommt Egenolf! er hatte mir versprochen, auf meinem Rückwege zu mir zu stoßen.« Sie winkte dem Bruder mit ihrem Tuche, und sein Pferd in Galopp setzend sprengte er heran.
»Wo seid ihr beiden euch denn begegnet?« fragte er, als er ihnen die Hand reichte und sein Pferd wendend sich ihnen anschloß.
»Oben auf der Hohkönigsburg,« antwortete Isabella mit frohlockendem Tone.
»Auf der Hohkönigsburg? Du warst auf der Hohkönigsburg, Bruno?« sagte Egenolf und zog unwillkürlich den Zügel an, als müßte er bei dieser befremdlichen Kunde Halt machen.
»Tag und Nacht; warum sollte ich nicht?« sprach Bruno.