»Ich dank' Euch vielmals, Herr Graf!« sagte Bruno und war nun erst recht aufgeräumt und guter Dinge.

Nicht lange darauf zogen sich die beiden Damen zurück, aber die drei Herren zechten noch weiter, bis Schmasman erklärte: »Nun ist's genug; schlaft wohl, ihr beiden!«

Gern wäre Bruno noch mit Egenolf allein sitzen geblieben, um ihm beim Becher seine Liebe zu Isabella zu beichten, aber das wollte Egenolf heute vermeiden. Er sprach daher: »Komm! es ist spät geworden.«

Da erhoben auch sie sich und suchten ihre Schlafgemächer auf.


XIV.

Vier Tage waren vergangen, seit Bruno von der St. Ulrichsburg abgeritten war und seinem Vater von Schmasmans Entschluß, die Thiersteiner nicht angreifen zu wollen, Mittheilung gemacht hatte. Aber noch war keine Kunde hierher zurückgelangt, was Burkhard bei so veränderter Sachlage zu thun gedächte, ob er nun den Fehdeplan aufgab, oder ob er, auch ohne die Hilfe der Rappoltsteiner, auf der Durchführung des feindlichen Unternehmens nach wie vor bestand. Dieses Ausbleiben jeglicher Nachricht versetzte Schmasman in große Unruhe, denn er konnte sich Burkhards Schweigen nicht erklären. War dieser so wüthend auf ihn, daß er ihn keiner Botschaft mehr würdigte? oder wollte er seine Entschlüsse und Veranstaltungen vor ihm geheim halten, um ihn mit einer vollendeten Thatsache, einem nicht zurücknehmbaren Schritte zu der Entscheidung zu zwingen, mit ihm oder wider ihn zu sein? Denn wenn es wirklich zum Kampfe kam, so konnte Schmasman diesem nicht als Unbetheiligter müßig zuschauen, sondern mußte auf der einen oder der anderen Seite handelnd eingreifen.

All die Tage her und manche halbe Nacht hatte er sich mit den abenteuerlichsten Gedanken darüber herumgeschlagen und sich schon die Frage vorgelegt, ob die von Loder belauschte Unterhaltung Burkhards mit Müllenheim und des Ersteren dabei geäußertes Verlangen nach dem Besitz der Hohkönigsburg auch wohl ernst zu nehmen sei. Er hielt es jetzt für möglich, daß Burkhard dem Schloßherrn von Girbaden nur hatte auf den Zahn fühlen wollen und daß seine Einladung an ihn zum Weihnachtsfest dort oben nur ein prahlerischer Scherz oder eine muthwillige Fopperei gewesen war. Denn er konnte Burkhard noch immer nicht die Tücke zutrauen, ihn im Widerspruch mit der jeden Nebenzweck verneinenden Versicherung so gröblich täuschen zu wollen, und war auf dem besten Wege zu der Überzeugung, daß er seinem rauflustigen Freunde mit diesem Verdacht Unrecht thäte. Aber Gewißheit, was er von ihm denken sollte, mußte er um jeden Preis haben, und dazu konnte er nur gelangen, wenn er vor Burkhard hintrat und ihn Auge in Auge zur Rede stellte.

Mit dem Entschlusse, dies zu thun, kam er am fünften Morgen nach Bruno's Besuch in das Gemach seiner Gemahlin und theilte ihr sein Vorhaben und dessen Begründung mit.