»Nein! das nicht, das nicht!«
»Ja, was dann? der andere Endzweck, von dem Stephania spricht, liegt doch für uns klar auf der Hand.«
»Dabei hat der Kaiser auch noch mitzureden; er ist der oberste Lehnsherr.«
»Der Kaiser!« sagte sie mit geringschätziger Miene, »Du weißt besser als ich, wie weit des Kaisers Macht reicht und wie weit sie nicht reicht. Und was ist denn schlimmer, Wortbruch oder Friedensbruch?«
Er drückte die geballten Fäuste gegen die Stirn und stöhnte: »Es ist grausam, vor eine solche Wahl gestellt zu sein.«
»Entscheiden mußt Du Dich für's eine oder für's andere.«
»Mach mich nicht rasend, Frau! ich weiß mir nicht aus noch ein. Wortbrüchig! wortbrüchig!« und wieder lief er hin und her wie ein Löwe im Käfig. Dann riß er die Thür auf und rief hinaus, daß es laut durch die Gänge schallte: »Reimar! Reimar!« Der Kämmerling erschien. »Geh hinauf zum Thürmer; er soll blasen, daß meine Brüder kommen, sogleich kommen.«
Der Hornruf ertönte, und nun horchten sie auf die Antwort. Bald klang es von Giersberg und auch von Hohrappoltstein zurück: ich komme.
»Wozu Wilhelm rathen wird, weiß ich im Voraus,« sprach Herzelande. »Bei Kaspar ist es mir zweifelhaft, er ist eine friedliebende Natur.«
»Sie werden beide so rathlos sein wie ich.«